Sardinien: Mit dem Segelboot auf Entdeckungsreise  

Hast du schon einmal daran gedacht Urlaub auf dem Segelboot zu machen? Diese Art zu reisen ist auch für unerfahrene Kapitäne ein unvergessliches Erlebnis! Segel setzen, Leinen los – wir umrunden Sardinien.

Die Frage aller Fragen beschäftigte mich, seit ich die Einladung zum Segeltörn nach Sardinien angenommen hatte: Würde ich seekrank werden?

Im Nachhinein kann ich über meine Zweifel und Ängste nur lachen, denn der Urlaub entpuppte sich als extrem entspannend. Meine wenigen Aufgabe an Bord: Aufstehen, Duschen, Lesen, Schwimmen, Essen, Schnorcheln, Schlafen. Je nach Landeplatz standen Sightseeing oder ein Strandbar-Besuch am Programm und die einzige Herausforderung bestand darin, am Hafen von Carloforte das richtige Segelschiff zu suchen und auch zu finden. Das hieß in meinem Fall Nuvola, was aus dem italienischen übersetzt „Wolke“ bedeutet.

Hafen von Carloforte © Gudrun Krinzinger

Segelboote © Gudrun Krinzinger

Segel setzen

Nachdem mir Skipperin Francesca das Innere des Schiffes gezeigt hatte, nahm ich meine Kabine in Beschlag (sie war winzig). Anschließend machte ich einen Rundgang durch Carloforte. Pittoresk ist eines der Wörter, das ich nicht oft verwende, aber für dieses kleine Städtchen muss ich einfach eine Ausnahme machen. Stundenlang bin ich durch die schmalen Gassen gelaufen, habe in einer kleinen Bar einen Espresso geschlürft und in winzigen Geschäften nach Souvenirs gestöbert.

Kabine des Segelbootes © Gudrun Krinzinger

Straßen von Carloforte © Gudrun Krinzinger

Carloforte © Gudrun Krinzinger

Nach einem köstlichen Barbecue (die Nuvola ist sogar mit einem Tischgrill ausgestattet), kroch ich in meine Kabine. Ich hörte das Gluckern des Meeres, spürte die Wellen und schlief schnell ein.

Segelboot Nuvola © Gudrun Krinzinger

Am nächsten Morgen ging dann das Abenteuer Segeln los. Zwar habe ich vor Jahren einen Segelschein am Neusiedlersee gemacht und noch habe ich nicht alle seemännischen Begriffe vergessen, aber ob ich wirklich behilflich sein konnte? Dazu hatte ich zu viel Respekt vor dem Meer und der Dimension des Bootes. So sah ich fasziniert zu, wie Francesca das Steuerruder übernahm und aus der engen Parkbucht manövrierte. Ihr Mann Federico holte die Fender ein. Noch geschah alles mit der Kraft des Motors, die Segel wurden erst draußen am Meer gesetzt.

Am Segelboot © Gudrun Krinzinger

Auf bestimmten Küstenabschnitten Sardiniens gibt es immer Wind. Während unserer viertägigen Fahrt übernahm das Großsegel die ganze Arbeit, es war nie nötig, das Vorsegel zu hissen. Unter Anleitung durfte ich beim Segel setzen helfen und da merkte ich den gewaltigen Unterschied zur kleinen Jolle am Neusiedlersee. So verbrachten wir mehr oder weniger die nächsten Tage. Manchmal kamen wir schneller voran, manchmal langsamer, unser Tempo bestimmten Wind und Hunger. Um die Mittagszeit wurde meist eine Bucht angesteuert und Francesca oder ihr Mann zauberten in der kleinen Küche ein feines Mittagsmahl.

Sardinien umsegeln © Gudrun Krinzinger

Sardinien umsegeln © Gudrun Krinzinger

Porto Pino

Einmal mussten unsere Vorräte aufgefüllt werden, Federico ruderte mich an Land und ich besuchte den kleinen Fischerort Porto Pino. Während er die Einkäufe erledigte, saß ich am Strand an der Bar und beobachtete die Strandurlauber. Ich hatte das Gefühl der Boden unter mir würde schwanken, mein Gleichgewichtssinn spielte mir bereits nach zwei Tagen an Bord einen Streich.

Nuvola

Ein weiteres Mal verließen wir die Nuvola um uns die archäologischen Ausgrabungen in Nora anzusehen. Schon während unseres Segeltörns waren mir die Wachtürme entlang der Küste aufgefallen, etwa 60 Exemplare sind noch erhalten.

In Nora gibt es die Gelegenheit einen dieser Türme zu besichtigen. Er ist bei weitem nicht so alt wie die Ausgrabungen. Nora gilt als älteste Stadt auf Sardinien, die Mosaike der römischen Bäder können heute noch besichtigt werden.

Archäologischen Ausgrabungen in Nora © Gudrun Krinzinger

Mosaike in Nora © Gudrun Krinzinger

Buchten von Chia

Meinen letzten Abend an Bord verbrachte ich in einer der Buchten von Chia. Dieser Küstenabschnitt im Westen Sardiniens gehört meiner Meinung nach zu den schönsten der Insel. Ein Sandstrand reiht sich an den anderen, der Ausblick vom Torre Chia zeigt glasklares Meer.

Ausblick vom Torre Chia © Gudrun Krinzinger

Ausblick vom Torre Chia © Gudrun Krinzinger

Zum letzten Mal wurde das kleine Beiboot zu Wasser gelassen und ich samt Gepäck an Land gebracht, wo ein Transfer zum Flughafen auf mich wartete. Mein Aufenthalt war viel zu rasch vergangen und noch jetzt träume ich mich gerne in meine Hängematte auf die Nuvola zurück.

So lässt es sich leben © Gudrun Krinzinger

Tipps für euren Segeltörn:

  • Für das Chartern eines Segelbootes braucht man einen Segelschein.
  • Um einen unbeschwerten und stressfreien Urlaub genießen zu können, empfiehlt sich, die Mitnahme eines Skippers und einer Hostess. Sie kümmern sich ums Segeln, Kochen, organisieren Ausflüge und kennen die schönsten Buchten zum Ankern.
  • Der Preis für die Miete richtet sich nach Größe bzw. Komfort an Bord.
  • Die Kabinen an Bord sind klein, der Stauraum begrenzt. Ein Rucksack als Gepäckstück ist besser geeignet als ein Koffer.
  • Das Leben an Bord spielt sich an Deck ab. Die Passagiere sollten sich gut verstehen.
  • Mein Boot wurde über die Firma Italycharter gebucht, ein Spezialist für Charterboote in Italien.
  • Wer Angst vor Seekrankheit hat, sollte sich in einer Apotheke beraten lassen.
  • Die Anreise zum jeweiligen Hafen muss gut geplant werden, oft übernehmen die Charterfirmen Organisation bzw. Transfer.