Madeira – Mit dem Korbschlitten über die Atlantikinsel

Ob zu Fuß, mit dem Auto oder sogar per Korbschlitten: Madeira hat viele schöne Flecken die erkundet werden wollen. Reisebloggerin Gudrun hat abwechslungsreiche Aktivitäten für jedes Fitnesslevel für euch im Gepäck.

Madeira macht es mir nicht leicht. Schon einmal hatte ich Flug und Hotel gebucht und musste im letzten Moment stornieren. Und jetzt kreiste das Flugzeug seit 30 Minuten über der Insel, eine Landung war jedoch nicht in Sicht. Eine Schlechtwetterfront hatte den Flughafen in Beschlag genommen, wir wichen zuerst auf die Nachbarinsel Porto Santo aus, tankten dort auf und verbrachten die Nacht schließlich auf Lanzarote. Die anderen Fluggäste und ich nahmen die Sache mit Humor, es blieb uns auch gar nichts anderes übrig.

Madeira © Gudrun Krinzinger

Schließlich klappte die Landung am nächsten Tag, wir luden unsere Koffer im Hotel ab und fuhren mit dem Taxi ins Zentrum. Unser Ziel war die Markthalle, die laut Reiseführer die exotischsten Früchte und Blumen versprach.

Mercados dos Lavradores – Eine Markthalle für jeden Geschmack

Und wirklich hatte der Reiseführer nicht zuviel versprochen. Ich sah Früchte, die ich bisher in keinem anderen Land der Welt entdeckt hatte und deren Namen ich nicht kannte, zum Beispiel Anonas oder Nesperas. Im ersten Stock der Halle hielten einen die Verkäufer fruchtige Kostproben unter die Nase, die von zuckersüß bis sauer alle Geschmacksrichtungen aufwiesen.

Markt Funchal © Gudrun Krinzinger

Exotische Früchte © Gudrun Krinzinger

In einer eigenen Halle hatten sich die Fischverkäufer versammelt. Sie waren schon beim Aufräumen, und doch konnte ich noch einen Blick auf den berühmten schwarzen Degenfisch erhaschen. Mit den Zähnchen sahen sie ganz schön bissig aus. Traditionell wird der Fisch mit Bananen serviert, wobei die einen auf gebratene, die anderen auf gebackene Bananen schwören. Einig sind sich alle über die ausgezeichnete Qualität des Fischfilets: weiß, fest und kaum Gräten.

Der berühmte Degenfisch © Gudrun Krinzinger

Serviert wird das Prachtstück in den vielen Restaurants, die sich in der Rua de Santa Maria, in Funchals Altstadt, wie Perlen an einer Schnur aneinanderreihen.

Rua de Santa Maria © Gudrun Krinzinger


Markthalle Mercados dos Lavradores
Montag bis Donnerstag 8 – 19 Uhr
Freitag 7 – 20 Uhr
Samstag 7 – 14 Uhr


Seilbahn und Korbschlitten – Fortbewegung der etwas anderen Art

Die Rua de Santa Maria hat außer Kulinarik noch etwas ganz anderes zu bieten, nämlich Streetart (Kunstprojekt Streetart Funchal). Viele der Türen sind bemalt und verziert, und so könnte ich noch stundenlang durch die Gasse wandern und jeden einzelne Tür ablichten, wenn sich nicht alle paar Minuten eine andere Sehenswürdigkeit Funchals hoch über meinem Kopf bewegen würde – die Gondeln der Seilbahn schwebten vorbei.

Streetart in Funchal © Gudrun Krinzinger

Verzierte Tür in Funchal © Gudrun Krinzinger

Leider dauert die Fahrt mit einer der 39 Kabinen nur 15 Minuten und wir stiegen in Monte, so heißt die Ortschaft, aus. Was nun? Weiter mit der nächsten Seilbahn zum Botanischen Garten? Sollen wir lieber den tropischen Garten besuchen, der nur ein paar Schritte von der Seilbahnstation entfernt liegt? Oder wollen wir geschichtsträchtige Luft schnuppern und dem letzten österreichischen Kaiser Karl I., der hier oben in der Kirche begraben liegt, unsere Aufwartung machen?

Mit der Seilbahn zum Monte © Gudrun Krinzinger

Ich entschied mich für Variante 4, setzte mich unterhalb der Kirche in den Schatten und betrachtete ein besonderes Spektakel, etwas was es nur auf Madeira gibt: Fahrten mit dem Korbschlitten. Fast 20 Minuten musste ich warten bis sich die ersten Touristen in einen Schlitten setzten, zwei weiß gekleidete und mit Strohhut behütete Männer dem Korb einen Schubs gaben und aufsprangen. Immer wieder zerrten sie an dem Gefährt herum um es in die richtige Richtung zu lenken. Selten hatte ich so unentspannte Gesichter gesehen.

Spaß im Korbschlitten © Gudrun Krinzinger


Seilbahn Funchal-Monte
Hin- und Rückfahrt: 15 Euro
Es gibt günstige Kombitickets mit den Attraktionen Botanischer Garten, Tropischer Garten, Madeira Story Center, Yellow Bus

Korbschlittenfahrt
1 Person: 20 Euro
2 Personen: 25 Euro


Jetzt wird’s bunt: Blumenfest und Autoparade

Umso lustiger ging es einen Tag später in Funchal zu. Das Blumenfest, das jedes Jahr im Frühjahr stattfindet, hatten wir knapp versäumt. Dafür kamen wir gerade recht zur historischen Autoparade, die mit viel Pomp und Trara über die Bühne ging. Ein Oldtimer nach dem anderen wurde begeistert beklatscht und die Blumenmädchen in ihren bunten Kostümen peppten das Spektakel zusätzlich optisch auf. Mir kam vor, die ganze Stadt war auf den Beinen!

Autoparade © Gudrun Krinzinger

Blumenmädchen auf Madeira © Gudrun Krinzinger


Madeira Blumenfest 2017
4.-14 Mai 2017


Levadawanderung – Entlang der flachen Wasserwege

Meine Beine spürte ich am nächsten Tag, als ich meine geplante Levadawanderung in Angriff nahm. Mit dem Bus ließ ich mich zum Palheiro Garten bringen und hielt mich genau an die Anweisungen meines Reiseführers. Ich ging ostwärts an der Mauer des Parks entlang, bog in die erste Straße links ab und wandte mich gleich an der Ecke der Autowerkstatt wieder nach links. An der Mauer entdeckte ich auch schon einen Pfeil: Levada dos Tornos. Die Levada selbst erreichte ich nach wenigen Minuten.

Levadawanderung in Funchal © Gudrun Krinzinger

Levadas sind übrigens künstlich geschaffene Wasserwege, die das Wasser vom wasserreichen Norden in den trockenen Süden bringen. Die ersten Levadas wurden bereits um 1460 von portugiesischen Siedlern gebaut, um 1580 wurden Sklaven für die beschwerliche Arbeit eingesetzt. Hunderte von Kilometern erstreckt sich das Netzwerk der Levadas über die Insel. Bei Wanderern sind sie beliebt, denn sie haben einen großen Vorteil: Die Wege neben den Levadas sind flach.

Levada, künstlich geschaffener Wasserweg © Gudrun Krinzinger

So marschierte ich selbst ganz bequem die Levada entlang, begleitet von Vogelgezwitscher.  Ich sah Eidechsen ins Gestrüpp huschen, kroch unter zwei Bäumen durch, durchquerte eine Hotelanlage (die Levada führt wirklich quer durch das Gelände) und freute mich am Anblick Funchals. Nach zwei Stunden kam ich im Dorf Curral dos Romeiros an, verließ die Levada, stieg in die Schlucht hinab, stieg wieder hinauf und landete bei der Seilbahnstation, bequemer geht’s echt nicht.

Madeiras Küste © Gudrun Krinzinger

Unterwegs mit dem Auto: Camacha, Pico do Arieiro und das Nonnental

Die restlichen Tage wurde die Insel mit einem Mietwagen erkundet. Der erste Ausflug galt der Ostküste. Immer wieder mussten wir stehenbleiben und unsere Kameras zücken. Wir fuhren bis die Straße zu Ende war und obwohl eigentlich keine weitere Wanderung geplant war, schlüpften wir in unsere Wanderschuhe und folgten dem Pfad. Und auch hier blieben wir immer und immer wieder stehen und bestaunten die Landschaft mit den zerklüfteten Felsen.

Ponta de Sao Lourenco © Gudrun Krinzinger

Am Rückweg legten wir einen kurzen Zwischenstopp in Camacha ein. Dieses kleine Dorf unweit von Funchal gilt als Zentrum der Korbflechter und gespannt sah ich zu, wie eine Korbflechterin im Café Rélogio, dem Korbflechterzentrum direkt am Hauptplatz, in Windeseile ein Brotkörbchen flocht.

Korbflechter in Camacha © Gudrun Krinzinger

Pico do Arieiro – Auf zum höchsten Punkt Madeiras

Hoch, höher, am höchsten hieß es am zweiten Ausflugstag. Der Pico do Arieiro stand am Programm. Erreichbar ist der 1818 Meter hohe Berg ganz bequem mit dem Auto. Schon am frühen Morgen herrscht großer Andrang, Busladungen an Touristen schieben sich zum Gipfel, während ich die Wanderer bewundere, die sich von hier aus auf den höchsten Punkt Madeiras, den Pico Ruivo mit 1862 Höhenmetern, aufmachen. Mir genügt die grandiose Aussicht auf die Berge.

Pico de Airiero, der höchste Punkt Madeiras © Gudrun Krinzinger

Wandern auf Madeira © Gudrun Krinzinger

Unser letzter Ausflug führte uns schließlich nach Curral das Freiras, das auch Nonnental genannt wird. Den schönsten Blick auf das Dorf, das wie ein Vogelnest geschützt zwischen den Berghängen liegt, hat man von Eira do Serrado.

Das Nonnental © Gudrun Krinzinger

Als ich im Flugzeug Richtung Heimat sitze, blättere ich nochmals durch den Reiseführer. Ich habe viel gesehen und erlebt die letzten Tage und doch so einiges ausgelassen. Das Nationalgetränk Poncha habe ich nicht verkostet, ich war nicht im Botanischen Garten und neugierig wäre ich jetzt doch: Wie ist denn so eine Fahrt mit dem Korbschlitten?