Gorillas im Nebel – Ruandas sanfte Riesen

„Gorillas im Nebel“ – wer hat noch nicht von diesem Film gehört? Dass man den Tieren aber tatsächlich so nahe kommen kann, erlebt man bei einem Besuch im Nationalpark Virguna in der Republik Ruanda.

Seit ich das erste Mal von Dian Fossey und ihrer Arbeit mit wilden Gorillas gehört hatte, stand für mich der Entschluss fest, diese außergewöhnlichen Tiere ebenfalls in freier Wildbahn zu sehen. Auf meinem Trip durch Westafrika, bot sich mir schließlich in Ruanda diese einmalige Chance, die ich natürlich nicht ungenutzt lassen konnte.

Der Nationalpark Virunga © Jürgen Garneyr
Der Nationalpark Virunga

Gleich ist es soweit

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“ heißt ein altes Sprichwort – in unserem Fall bedeutet das Tagwache um 5:30 Uhr morgens. Eine halbe Stunde später ging’s mit dem Jeep zur Ranger-Station des Nationalparks Virunga. Hier wurden wir zuerst in 8er-Gruppen eingeteilt und über Gefahren, Verhalten und Besonderheiten während der Tour informiert. Die Gorillas nicht berühren, nicht auf die Brust klopfen und kein Blitzlicht verwenden – so lauteten einige der Anweisungen der Guides Olivier und Patience.

In einer kleinen Gruppe geht es auf Beobachtungstour © Jürgen Garneyr
In einer kleinen Gruppe geht es auf Beobachtungstour

Zusätzlich zu unseren Führern hatten wir zwei Ranger mit Gewehren dabei; nicht wegen der Gorillas, sondern wegen der Wilderer, die im Nationalpark leider nach wie vor ihr Unwesen treiben. Jede Gruppe wurde an einen anderen Ausgangspunkt gefahren, weil wir verschiedene Gorilla-Familien suchten. Damit das ganze funktionierte, sind schon früh morgens die ersten Ranger in den Dschungel und informierten die Guides per Funk, wo sich die jeweiligen Gorilla-Familien gerade aufhielten.

Jede Gruppe sucht eine andere Gorilla-Familie © Jürgen Garneyr
Jede Gruppe sucht eine andere Gorilla-Familie

Durch das Dickicht

Wir brachen zu Fuß auf zur Gorilla-Gruppe „Amahora A“, die zu dieser Zeit aus 13 Tieren bestand. Die Wanderung war irgendwie komisch, man traute sich nicht viel zu reden und die Typen mit den Gewehren vermittelten auch nicht den Eindruck, als ob die Tour ungefährlich wäre.  Unsere Guides funkten mit ihren Kollegen des Öfteren hin und her und nach gut einer Stunde Gehzeit hieß es plötzlich stehenbleiben.

Anspannung und Vorfreude kurz vor der ersten Begegnung © Jürgen Garneyr
Anspannung und Vorfreude kurz vor der ersten Begegnung

Die Gorillas waren im Anmarsch. Etwas nervös war ich schon, um ehrlich zu sein, aber die Vorfreude war trotzdem riesig. Das erste Zeichen, dass die Tiere nicht mehr weit entfernt waren: Geräusche im Dickicht. Man konnte die Gorillas hören und plötzlich waren sie da. Nicht einmal einen Meter von mir entfernt gingen zwei Tiere unbeirrt an mir vorbei. Ich machte einen Satz zurück, da ich ein wenig erschrocken war. Innerhalb kürzester Zeit standen wir inmitten der Gorilla-Gruppe.

Es dauert nicht lange, bis man eine Gorilla-Gruppe erblickt © Shutterstock.com
Es dauert nicht lange, bis man eine Gorilla-Gruppe erblickt © Shutterstock.com

Friedvolle, einmalige Augenblicke

Das Nächste, das mir auffiel, war der Geruch. Ich will jetzt nicht sagen, dass die Gorillas stanken, aber sie rochen schon streng. Ich würde es als Mix aus Urin, Dschungel und Schweiß bezeichnen. Doch das hat der einzigartigen Atmosphäre des Moments keinen Abbruch getan.

Teilweise nur wenige Meter neben diesen erhabenen Tieren zu sein – fast unbeschreiblich. Am meisten faszinierten mich ihre Augen. Sie sahen so sanft und edelmütig aus und irgendwie vertraut. Man erkannte sofort, dass wir von ihnen abstammen. Ein Highlight war auch das Gorilla-Baby, das im dichten Gestrüpp mit seiner Mutter spielte. Ich hätte stunden-, nein tagelang hier bleiben und diese außergewöhnlichen Lebewesen beobachten können. Doch nach einer Stunde war Schluss, länger durften wir nicht bei den Tieren bleiben. Mir kam diese Stunde wie wenige Minuten vor, so schnell verging die Zeit.

Sanfte und irgendwie vertraute Augen © Jürgen Garneyr
Sanfte und irgendwie vertraute Augen
Stress scheint dieser Gorilla nun wirklich nicht zu kennen © Jürgen Garneyr
Stress scheint dieser Gorilla nun wirklich nicht zu kennen

Doch auch wenn wir diese wunderbaren Geschöpfe wieder verlassen mussten: Dieses magische Erlebnis wird für ewig in meiner Erinnerung bleiben.