Reisetipp Madrid: Der Spanische Underdog

Spanien – das ist das lebensmüde Bullenrennen von Pamplona, die Sagrada Familia und Gaudi in Barcelona, die Partymeile auf Mallorca und die Hippie-Strände von Ibiza. Doch an Madrid, die goldene Mitte der iberischen Halbinsel, daran denken nicht so viele.

Treuer Begleiter am Kurztrip in Madrid © Katharina Kamleitner

Dabei ist die spanische Hauptstadt ein Schmelztiegel von all dem, was wir an Spanien so lieben – allem voran: die Küche. In Madrid kommen alle Regionen mit ihren Bräuchen und Gerichten zusammen, quasi eine Miniaturversion Spaniens, an der sich die Besucher unmöglich satt sehen (oder essen) können.

Zu viel Zeit kann man in Madrid zwar eigentlich nicht verbringen, aber für ein spontanes Wochenende eignet sich der Städtetrip in die spanische Metropole besonders gut.

Madrid im Überblick

Vom Flughafen geht es per Taxi in die Stadt, Kostenpunkt mit Flatrate etwa € 30. Vorbei an den ikonischen Torres Blancas – meine erste Wahl, müsste ich ein Lieblingsgebäude auswählen – und rein in den chaotischen Großstadtdschungel.

Königlicher Palast von Madrid © Katharina Kamleitner

Retiro Park, Madrid © Katharina Kamleitner

Station Central Madrid © Katharina Kamleitner

Madrid unterteilt sich in verschiedene Bezirke, sogenannte Barrios. Paseo del Prado, El Retiro und Los Austrias beherbergen einige von Madrids wichtigsten Wahrzeichen: den Königlichen Palast, die Kathedrale Nuestra Senora de Almudena, das Prado Museum mit seinen Picasso-Werken und die wunderschönen Gartenanlagen des Retiro Parks.

Die Barrios Centro, Sol und Malasana sind die beste Anlaufstelle, wenn es darum geht die Kreditkarte glühen zu lassen, oder auch einfach nur ein paar traditionelle Churros in der Sonne zu genießen. Chueca ist das pulsierende Herz im Zentrum Madrids, reich an Kultur und lokalem Flair, und La Latina macht seinem Namen alle Ehre: hier wird getanzt, bis in die Morgenstunden.

Ankommen in Chueca, Madrids Trendviertel

Mein Lieblingsviertel ist Chueca, einer der progressivsten Stadtteile Madrids, der sich vor allem in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat. Zu verdanken ist dies der aufstrebenden LGBT (Lesbian Gay Bisexual Transgender) Community der Stadt, die dem Barrio seinen bunten und vielseitigen Charme verleiht. Erotik-Buchläden reihen sich hier Schulter an Schulter mit kleinen, unabhängigen Designerboutiquen, traditionellen Bäckereien und schicken Hotels sowie Hostels. Und genau da steige auch ich ab.

Spaziergang durch Madrids Plätze und Gassen © Katharina Kamleitner

Straße in Madrid © Katharina Kamleitner

Das Leben findet auf der Straße statt – auf der lebhaften Calle Barquillo, der Shoppingmeile Calle de Fuencarral und dem hübschen Platz Plaza de Chueca. Persönliches Highlight für mich ist die Calle de Augusto Figueroa, oder auch Calle del Calzado – also Straße der Schuhe. Muss ich noch mehr sagen?

Schokolade zum Frühstück

Und trotzdem verlasse ich Chueca, um die umliegenden Barrios zu erkunden und die Geheimnisse Madrids und Spezialitäten der unterschiedlichen Regionen kennen zu lernen. Nach einer Stippvisite beim Königlichen Palast und dem Plaza Mayor – alles einfach zu Fuß erreichbar, es gibt jedoch auch ein sympathisches U-Bahnnetzwerk – werfe ich mich ins Getümmel der Einkaufsstraßen Sols.

Plaza Mayor in Madrid © Katharina Kamleitner

Traditionelle Churros mit Schokoladensauce © Katharina Kamleitner

Schnell ist die morgendliche Energie verbraucht, und jede Faser meines Körpers verlangt nach Churros – einem Donut-ähnlichen Schmalzgebäck, das in Madrid traditionell zum Frühstück gereicht wird. Serviert mit einer Tasse dickflüssiger Schokolade ist das genau das Richtige um mich für den Spaziergang durch Lavapies vorzubereiten. Die besten Churros Madrids gibt es ohne Zweifel in der Chocolateria de San Gines nahe der Puerto del Sol – da sind sich Einheimische und Reiseführer einig. Und recht haben sie – Churros sind eine traumhafte Sünde aus Fett und Zucker, an die ich mich gewöhnen könnte.

Urbane Abenteuer in Lavapies

Auf der Suche nach authentischer, urbaner Subkultur steige ich in die U-Bahn Richtung Süden ein, und an der Station Embajadores wieder aus. Eine schnelle Recherche im Internet hatte ergeben, dass sich hier das Tabacalera befindet, ein Kunst- und Kulturzentrum in einer ehemaligen Tabakfabrik, in dem vor allem die jungen kreativen Madrilenas zu finden sind. In der Galerie werden spannende moderne Künstler ausgestellt – ein krasser Gegensatz zum Kanon der Meister in den klassischen Museen Madrids. Im Außenbereich des Zentrums finden immer wieder Veranstaltungen statt – Konzerte, Hangouts, Märkte – am besten vor dem Besuch das Programm checken!

Tabacalera, Madrid © Katharina Kamleitner

Plaza de Agustin in Madrid © Katharina Kamleitner

Durstig nach mehr Abenteuer mache ich mich zu Fuß auf dem Weg zurück ins Zentrum. Mein Spaziergang durch Lavapies ist ein Genuss: Street Art und Graffitis an jeder Straßenecke, pinke Wohnhäuser mit kleinen Balkons, an denen bunt beladene Wäscheleinen im Wind schaukeln, überall ist es grün. Snap, snap, snap – die Kamera glüht. Bis ich auf den Plaza de Agustín Lara stoße, und einen von meinem Fotowahn weniger begeisterten Madrileno.

Relaxen in Madrid © Katharina Kamleitner

Tapas essen und Flanieren in Madrid © Katharina Kamleitner

Lavapies ist nicht nur wunderschön, sondern hat leider auch einen gewissen Ruf im Drogenmilieu der Stadt. Schnell packe ich die Kamera weg, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, und setze mich an einen kleinen Tisch in der nächstbesten Tapasbar. In der Sonne sitzend, bestelle ich ein Glas Bier, welches sogleich mit einem belegten Sandwich serviert wird. Tapas sind in Spanien inklusive – na, dann Mahlzeit!

Markt-Genüsse im Zentrum

Zum Dinner treffe ich Freunde auf dem Mercado de San Miguel, einer renovierten Markthalle im Stadtzentrum, die ein wahrer Magnet für Tapas-Enthusiasten ist. Zuerst schlendern wir gustierend von Stand zu Stand, bevor wir uns in der Mitte der Halle auf einen kleinen Tisch stürzen (viel Glück dabei!) und einer nach dem anderen köstliche Delikatessen von den verschiedenen Händlern verkosten. Bei einer Flasche spanischem Rioja, gegrillten Calamari und himmlischem Büffelmozarella lassen wir den Tag genüsslich ausklingen.

Mercado de San Miguel in Madrid © Katharina Kamleitner

Tapas im Mercado de San Miguel © Katharina Kamleitner

Traditionsküche: El Abuelo

Nach mehr Churros zum Frühstück und einem Power-Walk durch den Retiro Park heißt es ,Ab zur nächsten Stärkung‘. Zum Lunch fällt die Wahl aufs El Abuelo, ein Restaurant, das seit eh und je ein Familienbetrieb ist und eine wahre Madrider Institution darstellt. Mittlerweile leiten die geschäftsführenden Geschwister mehrere Lokale in der Stadt, doch ich steuere das Original, Abuelo 1, an. Hier werden ausschließlich vier Sorten Garnelen-Tapas angeboten und an Stehtischen serviert. Die Schalen werfe ich, so wie die restlichen Gäste, einfach auf den Boden. Wenn Zeit ist, kommt der Koch mit dem Besen durch und fegt sie beiseite. Besonders gut schmecken die Gambas Al Ajilo, Garnelen frittiert in Knoblauch-Öl und so frisch und heiß serviert, dass man es brutzeln hört.

Restaurant El Abuela in Madrid © Katharina Kamleitner

Leckere Tapas im Traditionsrestaurant El Abuela © Katharina Kamleitner

Besitzer des Familienbetriebs El Abuelo, Madrids Nr. 1 für Tapas © Katharina Kamleitner

Die Sonne anbeten & in Parks entspannen

Den Rest des Tages verbringe ich mit vollgeschlagenem Bauch in der Sonne. Schnell entdecke ich ein paar neue Lieblingsplätze – den lebhafte Plaza de Santa Ana in Huertas zum Beispiel. Hier bin ich in guter Gesellschaft – Locals lieben es in der Sonne zu sitzen. Pünktlich zum Sonnenuntergang begebe ich mich zum Tempel von Debod im Montana Park, dem wohl kitschigsten Ort von Madrid. Umringt von Yogagruppen, coolen Slacklinern und verträumten Liebespärchen, genieße ich die letzten, goldenen Sonnenstrahlen und die Aussicht über Madrids größten Park Casa de Campo.

Plaza de Santa Ana in Huertas, Madrid © Katharina Kamleitner

Slacklinen in Debod Tempel, Madrid © Katharina Kamleitner

Von Oben sieht alles (noch) besser aus

Betäubt von der eben erlebten Schönheit und wehmütig vorm baldigen Heimflug beschließe ich meinen Kummer in einer Bar zu trösten. Doch nicht irgendeine Bar, nein, die Rooftop Bar Tartan Roof auf dem Dach des Circulo de Bellas Artes, der Gesellschaft der Schönen Künste. Die Fahrt mit dem Lift kostet € 3, doch die fantastische Aussicht über Madrid ist das allemal wert, besonders bei Nacht.

Blick auf Madrid von der Rooftop Bar aus © Katharina Kamleitner

Romantische Stunden in Madrids Parks © Katharina Kamleitner

Von oben verschwimmt das hektische Treiben der Großstadtstraßen in ein harmonisches Flackern und im Antlitz der schimmernden Lichter der Calle Gran Via schwöre ich: Madrid, wir werden uns wiedersehen!

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