Literatour Südengland: Teil 2, Auf den Spuren von Jane Austen

Der erste Teil meiner Südengland Reise führte uns von Christopher Marlowes Geburtsort Canterbury bis zum Kurort Bath, der nicht nur Jane Austen inspiriert hat. Nun geht es weiter in den Süden, zu märchenhaften Landschaften, typisch englischen Pubs und Austens letzter Ruhestätte …

Senioren am Keats Walk von Winchester

Liebliches Dorset: Hardy Country

Von Bath aus geht es wieder in den Süden. Dorset heißt die Grafschaft, die wir besuchen, oft wird sie auch als Hardy Country bezeichnet. Der Schrifsteller Thomas Hardy wurde dort geboren und viele seiner Romane sind in dieser Gegend angesiedelt. Darüber hinaus ist Dorset mit Sicherheit eine der lieblichsten Landschaften, die mir auf Reisen je untergekommen ist.

Grüne Hügel von Dorset, Südengland

Die schöne Landschaft von Dorset

Weiche Hügeln entlang der südenglischen Küste, in allen Schattierungen von grün, dazwischen kuscheln sich winzige Ortschaften in die Täler, die Häuschen noch traditionell mit Strohdächern bedeckt. Ein Szenario, das an Tolkiens Shire erinnert und man wäre überhaupt nicht überrascht, würden einem unterwegs ein paar Elfen oder Zwerge begegnen.

Lyme Regis: Musenstadt an Englands Südküste

 

Lyme Regis an der Küste Südenglands

The Cobb in Lyme Regis

Die Route durch führte mich schließlich nach Lyme Regis, einem Ort, der einen weiteren Schauplatz in Jane Austens „Persuasion“ bildet. Ich gestehe, es handelt sich um eines meiner Lieblingsbücher.  Ich hatte also gar keine andere Wahl, als jenen Flecken aufzusuchen, an dem Luisa Musgrove, eine der Protagonistinnen des Romans, stürzt.
Damit bin bin ich zum Glück in guter Gesellschaft, schließlich ließ sich schon der berühmte englische Poet Alfred Lord Tennyson dorthin führen und meinte dabei ganz dezidiert: „Show me the exact spot where Louisa Musgrove fell!“

Küstenort Lyme Regis in Südengland

Ich tat es ihm also gleich und wurde reich belohnt. Lyme Regis ist eines der hübschesten Städtchen in ganz Südengland und bietet neben hervorragendem Seafood (phänomenale Crab Sandwiches) auch herrliche Ausblicke aufs Meer. Diese Kulisse lockte nicht nur Schriftsteller sondern auch Maler an. Zu ersteren zählten neben Austen und Tennyson auch Henry Fielding, der eine der Schlüsselszenen seines Romans „Tom Jones“ hier ansiedelt. Was die bildende Kunst betrifft, so ließ sich das Malergenie James Abbott McNeill Whistler von Lyme Regis inspirieren.

Auf der Suche nach Fossilien in Lyme Regis

Wer eine archäologische Ader hat, der kann an einer der unterhaltsamen Fossiliensuchen am Strand teilnehmen. Die Küste ist übersät mit versteinerten Ammoniten und sonstigem Getier. Unter fachkundiger Anleitung sucht man und darf, wenn man fündig wird, seine Beute auch mit nach Hause nehmen.
Außerdem erfährt man, dass die moderne Paläontologie von einer Frau mitbegründet wurde. Mary Anning, wenngleich Autodidaktin, hat ihr Leben der Fossiliensuche gewidmet und gilt heute als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der frühen Paläontologie.

Winchester und das Grab einer Frau

 

Kathedrale in Winchester

Garten mit Bach vor der Winchester Cathedral

Gut erholt geht es zur letzten Station unserer Reise, nach Winchester. Die Stadt zählt zu den ältesten Englands und ist eine historisch Fundgrube. Da gibt es Spuren vom alten angelsächsischen Königreich Wessex, oder Wolvsey Castle, Bischofssitz im 12. Jahrhundert.  Mittendrin thront eines der beeindruckendsten gotischen Bauwerken Mitteleuropas, die Kathedrale von Winchester.

Allein dort lassen sich gemütlich Stunden vertrödeln, weitläufige Parks rundum laden im Sommer zum picknicken ein und uralte Zedern bieten schattige Plätzchen zum Träumen. In der Kathedrale selbst gibt es viel Historisches zu entdecken, ein geführter Rundgang bietet sich also auch hier als ideale Lösung für Wissbegierige an.

 

Innerhalb der Winchester Cathedral

Jane Austens Todesort Winchester

Jane Austens Grab in der Winchester Cathedral

Jane Austen Fans werden dort das Grab der Schrifstellerin sehen, welches zunächst bloß von einem schlichten Grabstein bedeckt war, ohne Hinweis auf ihre literarische Hinterlassenschaft. War es doch damals unziemlich für eine Frau Romane zu schreiben. Austens sämtliche Werke erschienen zu ihrer Lebzeit lediglich mit dem Verweis „By a lady“.

Zum Glück wog ihr Erbe schwer genug und so zählt sie heute zu Recht zu den bedeutendsten englischsprachigen SchrifstellerInnen, auch ihre letzte Ruhestätte wurde nicht allzulang nach ihrem Tod mit einer Hinweistafel ergänzt.

 

Keats Walk in Südengland

Keats Walk in Winchester

Wer sich nach so viel Jane Austen mit etwas Poesie erholen will, der wandelt hinter der Kathedrale am besten entlang des beschaulichen „Keats Walk“. Benannt nach dem bekannten romantischen Dichter John Keats, kann man hier ganz wunderbar nachvollziehen wie es zur Entstehung seiner Ballade „Ode to Autumn“ kam. Und man kann noch einmal ganz tief in die südenglische Landschaft eintauchen, entlang verträumter Flüsschen und verschlafener Wiesen.

Am malerischen Keats Walk in Wichester

Englische Küche, B & Bs und Linksverkehr

Am Ende unserer Tour gilt es noch ein paar Worte zum Thema Unterbringung, Kulinarik und Fortbewegung zu verlieren.

Typisches Pub in Südengland

Was Essen betrifft, hat England seinen schlechten Ruf schon vor vielen Jahren hinter sich gelassen und viele Pubs bieten mittlerweile eine hervorragende Küche. Sogenannter „Pub-Grub“ hat sich gemausert und bietet Vielfältiges von frischem Fisch bis zum reichhaltigen Shepherd’s Pie. Nicht zu vergessen, die ausgezeichnete flüssige Nahrung. Bierliebhaber sollten die regionalen Ales durchtesten, es lohnt sich.

The Wykeham Arms Pub mit "Wyke Pie"

Bezüglich Unterbringungen empfiehlt es sich in den meisten Fällen auf Bed & Breakfasts zu setzen. Viele davon haben mittlerweile die Qualität eines Boutique-Hotels, gratis W-Lan zählt zu den Standards und die Gastgeber sind auch ausgezeichnete Ratgeber, was lokale Restaurants und Insider-Tipps betrifft.

Schließlich noch die Frage „Wie komme ich von A nach B“. Ich habe meine Reise damals mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit Bahn und Bus, bestritten und war durchaus sehr zufrieden. Der einzige Nachteil davon ist, dass man an die vorgegebenen Haltestellen gebunden ist und die malerische Kulisse im Vorbeifahren genießen muss. Mit dem Auto hat man den Vorteil, da und dort noch einen Zwischenstopp einzulegen. Auf diese Weise lässt sich noch viel mehr entdecken, und das, soviel kann ich jedem der es mir gleich tut versprechen, zahlt sich mit Sicherheit aus.

.Traditionelles Pub in WInchester, Südengland

Pub Tipps Südengland

Salisbury:
The Wig and Quill — Pub mit guter Küche, Fish and Chips!

Winchester:
The Wykeharm Arms — unbedingt den „Wyk Pie“ probieren

The Black Boy Pub — ein Pub mit schönem Gastgarten und sehr guten lokalen Ales

Bath:
Coeur De Lion — Sehr nettes kleines Pub mit guter Hausmannskost

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