Lissabon: 4 Freundinnen & eine Stadt

Mit Freunden auf Urlaub in Portugal? Gastbloggerin Gudrun von reisebloggerin.at zeigt, wie harmonisch so eine Reise sein kann – und welche Vielfalt die Stadt Lissabon bietet.

Stadtviertel Alfama

Turm von Belem

Nachdenklich saßen wir vier Freundinnen um einen Tisch in einer Wiener Pizzeria. Es war Jänner und der Jahreszeit entsprechend kalt. Für unsere gemeinsame jährliche Reise gab es nicht viele Vorgaben, eigentlich nur eine – wir wünschten uns in eine sonnige Stadt in Europa. Nach nur fünf Minuten war die Entscheidung gefallen: Lissabon. Wir waren alle schon mal dort gewesen. Gemeinsam schwelgten wir in Erinnerungen unserer vergangenen Reisen und träumten von neuen Entdeckungen.

Renate: Diebische Shoppingfreuden und schöne Ausblicke

Renate wollte unbedingt auf den Feira da Ladra, auch „Flohmarkt der Diebin“ genannt. Dieser Flohmarkt findet jeden Dienstag und Samstag am und um den Campo de Santa Clara statt. Was für ein Gewimmel, was für eine Stimmung! Neben dem üblichen Flohmarkt-Krimskrams (Bücher, Schmuck, Kleidung, Schallplatten etc.) bieten Künstler und Modeschöpfer ihre Bilder sowie neueste Kreationen an. Untermalt wird der Flohmarktbesuch von kleinen Musikbands, die an allen Ecken und Enden die Besucher unterhalten.

Flohmarkt Feira da Ladra in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Blick aus dem Kreuzgang der Kathedrale Se Patriarcal in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Darüber hinaus wollte Renate uns den Kreuzgang in der Kathedrale Sé Patriarcal zeigen. Da man extra Eintritt bezahlen muss, verirren sich nur wenige Touristen zu den archäologischen Ausgrabungen. Am schönsten ist aber der Blick aus den Fensterrosetten auf das Stadtviertel Alfama und den Fluss Tejo.

Brigitte: Mit Gebimmel durch die Altstadt

Brigitte wollte wieder einmal mit der berühmten Straßenbahn 28 die Lissabonner Altstadt durchqueren. Legt sich die alte Tram in den engen Gassen zu sehr in die Kurve, quietscht sie ganz gewaltig. Und wehe, es parkt jemand irrtümlich auf den Straßenbahngleisen, dann heißt es warten und warten, bis das laute Gebimmel der Straßenbahn den reuigen Autobesitzer herbeiruft, der unter den genervten Blicken des Straßenbahnfahrers und den amüsierten Blicken der Touristen sein Auto startet.

Die legendäre Straßenbahn 28 in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Regina: Auf der Suche nach den schönsten Souvenirs

Regina wollte sich in Lissabon einfach treiben lassen. Durch die schmalen Gassen der Stadtviertel Mouraria, Alfama und Bairro Alto schlendern und sich die Nase an den Schaufenstern plattdrücken, vielleicht hier und da ein Mitbringsel in Form einer Sardinendose erstehen. Die Kachelkunst der Azulejos an den Hausfassaden bewundern und natürlich genügend Pausen in Kaffeehäusern einlegen um einen Bica, einen portugiesischen Espresso, zu genießen.

Cafétipp: Literaturcafé A Brasileira

Viertel Alfama in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Gudrun (aka ich): Wo geht es zu den berühmten Dichtern?

Ich hatte das Mosteiro dos Jeronimos (Hieronymitenkloster) im Stadtviertel Belém am Plan. Vor fünf Jahren stand ich vor verschlossenen Türen, als ich ausgerechnet den Schließtag als Besichtigungstermin auswählte. Diesmal sollte mir das nicht passieren. Die Besucherschlangen konnten mich nicht abschrecken. Endlich stand ich im zweistöckigen Kreuzgang und schnappte nach Luft. Es gibt nur ein Wort, um das zu beschreiben, was ich sah: Grandios!

Das Hieronymitenkloster in Belem, Lissabon © Gudrun Krinzinger

Mosteiro dos Jeronimos, Lissabon © Gudrun Krinzinger

Weiters hatte ich mir vorgenommen zwei Literaturmuseen zu besuchen. Das eine ist dem portugiesischen Dichter Fernando Pessoa gewidmet und ist in einem ehemaligen Wohnhaus des Literaten untergebracht. Hier erfahre ich alles über das Leben und den Werdegang des Schriftstellers, dem man in Lissabon nicht entkommen kann.

Fernando Pessoa Museum in Portugal © Gudrun Krinzinger

Saramago Museum in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Das Museum für den Literaturnobelpreisträger José Saramago befindet sich im angeblich ältesten Haus Lissabons, der Casa dos Bicos. Beide Museen beherbergen Bibliotheken und sind Forschungsstätten der portugiesischen Literatur.

4 Freundinnen, viele Ziele: Tejo und Meer, frischer Fisch und süße Köstlichkeiten

Was wir vier gemeinsam in Lissabon erleben wollten? Frischen Fisch und Meeresfrüchte genießen, die berühmten Pasteis de Nata verkosten, eine Bootsfahrt entlang des Tejo unternehmen und der Küstenstadt Cascais einen Besuch abstatten.

Die zurecht berühmten Kuchen von Pasteis de Belem © Gudrun Krinzinger

Pasteis de Nata zu probieren war leicht, denn die wurden schon am Frühstückbuffet unseres Hotels angeboten. Die besten gibt es angeblich in der Confeitaria dos Pastéis de Belém. Hier wurde das Dessert erfunden und nicht weniger als 15000 Stück wandern täglich über den Ladentisch. Mit etwas Glück bekamen wir sogar einen Platz im Kaffeehaus und genossen die noch warmen Blätterteigtörtchen mit Puddingfülle. Himmlisch, sage ich euch!

Blick auf Lissabon von der Fähre aus © Gudrun Krinzinger

Fischlokal Ponto Final in Lissabon © Gudrun Krinzinger

Unsere Idee, das beste Fischrestaurant Lissabons aufzusuchen verbanden wir mit einer Bootsfahrt über den Tejo. Ein Barmann hatte uns den Tipp gegeben und uns das kleine Fischlokal Ponto Final am gegenüberliegenden Ufer von Lissabon empfohlen. Mit der Fähre tuckerten wir gemütlich über den Fluss und ließen uns anschließend kulinarisch verwöhnen. Sardinen, Seebarsch, Kichererbsensalat mit Stockfisch, gegrillter Oktopus, so schmeckt Lissabon!

Küstenstädtchen Cascais nahe Lissabon © Gudrun Krinzinger

Klippen von Boca do Inferno in Portugal © Gudrun Krinzinger

Mit dem Zug dauert die Anfahrt nach Cascais, einem kleinen Küstenstädtchen, nicht mehr als 40 Minuten. Nur besonders Tapfere wagten sich in den kalten Atlantik. Eine weitere halbe Stunde dauerte unser Fußmarsch zum Boca do Inferno, auf Deutsch: Höllenschlund. Hier zeigt der Atlantik seine Stärke und zeitweise ist es so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Über die Felsen wurde ein Stahlseil gespannt und besonders Wagemutige stellen ihre Geschicklichkeit unter Beweis und tänzeln über den Abgrund, mal elegant, mal tollpatschig. Meine Bewunderung haben sie alle, aber ich wäre für so ein Abenteuer viel zu feig.

Fischer an der Küste von Cascais, Portugal © Gudrun Krinzinger

Gegen Abend treffen die Fischer ein und hängen ihre Angelruten ins Meer. Wir hofften auf frischen Fang, denn wir hatten Hunger. Doch bevor wir ins Restaurant verschwanden, genossen wir noch den Sonnenuntergang und berieten uns über unser nächstes gemeinsames Reiseziel. Wie wäre es mit Dublin, Riga oder Belfast?


Adressen (Reihenfolge nach Absätzen)

 

Feira de Lada – Flohmarkt der Diebin
Campo de Santa Clara
Dienstag und Samstag zwischen 9 und 19 Uhr

Catedral Sé Patriarcal
Largo da Sé

Straßenbahnlinie 28
Die Straßenbahn schlängelt sich durch die Stadtviertel Bairro Alto, Chiado, Baixa und Alfama. Zusteigen kann man an jeder Haltestelle, die Wagons sind meistens sehr voll.
Es empfiehlt sich an den Endhaltestellen „Martim Moniz“ und „Prazeres“ zuzusteigen, um einen Sitzplatz zu ergattern.

Café A Brasileira
R. Garrett 120
Öffnungszeiten 8 Uhr bis 2 Uhr Früh

Mosteiro dos Jeronimos
Praça do Império

Casa Fernando Pessoa
Rua Coelho da Rocha, 16
Campo de Ourique

Museum José Saramago
Casa dos Bicos
Rua dos Bacalhoeiros

Confeitaria de Belém
Rua de Belém 84-92

Ponto Final
Cais do Ginjal 72, Cacilhas, Almada
Man nimmt die Fähre von Cais do Sodre nach Cacilhas. Anschließend biegt man rechts ab und geht ca. 20 Minuten direkt entlang des Tejo an verfallenen Lagerhallen vorbei bis man beim Restaurant ankommt.

Cascais
Erreichbar mit dem Zug ab Station Cais do Sodré, Fahrzeit etwa 40 Minuten.

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