Die Kykladen – Radreise abseits der Touristenströme

Die Kykladen gehören zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen in Griechenland. Die wahren Schätze der Inselgruppe liegen jedoch abseits von Santorin und Mykonos. Mit Schiff, Rad und Muskelkraft habe ich mich auf Entdeckungstour in der südlichen Ägäis begeben.

Karte eines Teils der Kykladen Inseln

Gleich vorweg: Ich bin kein Radfahrer. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich mir vor der Abreise sogar noch eine Radhose und einen Helm kaufen musste. Ein bisschen trainiert hab ich dann aber doch, bevor ich mich in den Flieger gen Süden setzte – und das war auch gut so, wie sich bald herausstellen sollte…

Kythnos: Freud und Leid des Radel-Anfängers

Vom Hafen in Piräus legen wir mit der „Panagiota“, einem Zweimast-Motorsegler in historischer Bauweise, in Richtung Kythnos ab. Die Insel ist typisch griechisch: karg, hügelig und mit viel Charme ausgestattet. Zuerst radeln wir zum Hauptort hinauf, der auf allen Inseln einfach Chora heißt. Entlang der asphaltierten Straßen strömt der Duft von Rosmarin und Thymian an unseren Nasen vorbei und es bieten sich spektakuläre Blicke auf die buchtenreiche Küste. Das Dorf selbst ist fast schon kitschig mit den weißen Häusern, den blauen Türen und Fenstern und seinen verwinkelten Gassen, in denen es ein Leichtes ist, sich zu verlieren.

Hafen von Kythnos bei Merichas © Jürgen Garneyr

Stadt Chora auf Kythnos © Jürgen Garneyr

Hier machen wir Pause, die ich als ungeübter Radfahrer auch dringend brauche. Nach einer kurzen Rast heißt es aber wieder in die Pedale treten. Jetzt stoße ich zum ersten Mal an meine Grenzen und muss meinen Drahtesel die letzten Meter bergauf schieben. Zum Glück geht’s von nun an ausschließlich bergab zum Hafen von Merichas. Den Abend lasse ich in einer gemütlichen Taverne am Strand ausklingen, ehe ich todmüde ins Bett falle.

Serifos: Von einäugigen Riesen & blauäugigen Radlern

Heute sind wir in aller Früh weiter nach Serifos, einer kleinen Insel mit tiefen Tälern, zahlreichen Buchten und kaum Touristen. Zu meiner Verwunderung bin ich zwar erschöpft, aber keine Spur von einem Muskelkater.

Malerische Chora von Seriphos © Jürgen Garneyr

Die erste Etappe zum Hauptdorf ist trotzdem anstrengend, doch die Aussicht entschädigt für alle Mühen. Catharina, unsere Reiseleiterin, erzählt uns während der Rast, dass Seriphos in der griechischen Mythologie die Heimat der Zyklopen war. Ich bin zwar nicht einäugig, dafür offensichtlich blauäugig – ich dachte wirklich, der anstrengendste Teil der heutigen Radtour läge hinter uns. Naja, irren ist schließlich menschlich. Mein Bike musste ich zwar nicht schieben, aber das gepunktete Trikot für die Bergwertung bekam ich auch nicht.

Fidel zum Örtchen Kastro

Gasse im Städtchen Kastro auf den Kykladen © Jürgen Garneyr

Tag 3 verbringen wir auf der für ihre Töpferkunst berühmten Insel Sifnos. Die anstrengenden Tage liegen scheinbar hinter mir, denn die Strecke nach Kastro und zurück ist kein Problem für mich.

Die Straße zur ehemaligen Inselkapitale führt entlang von Zypressen, Feigen- und Olivenbäumen und bietet einen wunderbaren Blick auf die unter Denkmalschutz stehende Wehrsiedlung. Catharina versorgt uns während der Ortsführung wieder mit jeder Menge geschichtlicher Infos und im Anschluss bleibt noch reichlich Zeit, es sich in einem der entspannten Restaurants gemütlich zu machen.

Am Nachmittag steuern wir mit der Panagiota die Insel Syros an.

Ermoupolis: Ein Städtchen zum Verlieben

Auf Syros liegt die Hauptstadt der Kykladen, Ermoupolis. Im Gegensatz zu den anderen besuchten Inseln sind hier die Häuser nicht blau-weiß, sondern in Pastellfarben gestrichen. Ermoupolis ist eine kleine, feine Stadt, auf der sich nicht viele Touristen tummeln. Definitiv einer meiner Lieblingsorte bisher.

Ankunft mit dem Schiff vor Syros © Jürgen Garneyr

Auch die Radtour auf Syros ist herrlich – nicht zu anstrengend, aber doch fordernd. Speziell der Blick über Ermoupolis kurz vor der Abfahrt ist beeindruckend. Noch ein Tipp, wenn man schon einmal auf der Insel ist: Chalvadopites probieren – eine leckere Süßigkeit, die es nur hier gibt.

Agamen, Tauben und Götter

Am Vormittag besuchen wir die antike Stätte auf Delos, wo der griechischen Mythologie zufolge der Gott Apollon und seine Zwillingsschwester Artemis zur Welt gekommen sind. Neben alten Ruinen sehen wir auch jede Menge Spinnen und Agamen.

Agamen findet man in der antiken Stätte Delos zuhauf © Jürgen Garneyr

Löwen Statuen in Delos, Griechenland © Jürgen Garneyr

Danach setzt der Kapitän Kurs zur Insel Tinos, die vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Evangelistria, die größte Kirche Griechenlands und ihre ca. 600 Taubentürme aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Während unserer Radtour fallen mir auch die vielen Terrassen auf Tinos auf, die landwirtschaftlich genutzt werden – sie erinnern mich an die Reisfelder in Asien.

Tinos Evangelistria, die größte Kirche Griechenlands © Jürgen Garneyr

Schweiß und Abschiedsschmerz

Heute ist der letzte Tag meines Radabenteuers und zum Abschluss besuchen wir die Insel Kea. Sie ist Heimat der Nymphen und die am westlichsten gelegene bewohnte Kykladeninsel. Der Anstieg zu dem in den Bergen liegenden Hauptort Ioulis verlangt mir noch einmal alles ab. Fairerweise muss ich aber zugeben, dass der Ort äußerst pittoresk ist.

Typisches Transportmittel und Haustier in Griechenland © Jürgen Garneyr

Es sollte mein letzter Eindruck von den Kykladen sein. Zurück an Bord genieße ich noch auf dem Oberdeck den Sonnenuntergang und lasse meine Reise Revue passieren: Ich habe nette Menschen kennengelernt, eine Inselgruppe von ihrer schönsten Seite erlebt und kann viele unglaubliche Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Die Radlergruppe, bereit für den Trip in den Kykladen © Jürgen Garneyr

Romantischer Sonnenuntergang an der Ägais © Jürgen Garneyr

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