Frankreich Insider: Paris für Fortgeschrittene

Was, schon wieder Paris? Meine Freunde verstehen mich nicht. Du warst doch schon so oft! Ich habe nachgezählt: Insgesamt habe ich 73 Tage in der Stadt der Liebe verbracht. Aber was willst du denn da noch besichtigen, du hast doch schon alles gesehen? Ich blicke in die fragenden Augen meiner Freunde. Alles gesehen? In Paris? Das geht doch gar nicht.

Goldene Figur auf der Pariser Oper © Gudrun Krinzinger

Klar habe ich die Highlights bereits „abgehakt“. Ich bin den Eiffelturm hochgestiegen, habe den Louvre besichtigt und bin mit dem Batobus die Seine entlang geschippert. Ich habe Jim Morrisons Grab am Friedhof Père-Lachaise gesucht (und gefunden!), den Pétanque-Spielern im Marais zugeguckt und Monets Seerosen in der L’Orangerie bewundert. Kennen wir doch schon, maulen meine Freunde. Gibt es sonst noch was? Klar, gibt es. Kommt einfach mit!

Paris von oben

Jeder denkt da natürlich an den Eiffelturm. Nur leider habe ich ein Problem, wenn ich oben stehe: Ich sehe den Eiffelturm nicht. Daher muss eine Alternative her. Da wäre zum Beispiel der Tour Montparnasse – ja, ich weiß, er ist hässlich! Aber vom 56. Stock aus hat man einen wunderschönen Rundblick über die Stadt. Eine weitere Möglichkeit Paris von oben zu bewundern ist der Ausblick vom Dach des Centre Pompidou oder das Hochklettern der 300 Stufen auf die Kuppel von Sacré Coeur (nur für Schwindelfreie). Ich schwöre: Paris von oben bleibt immer unvergesslich.

Toller Ausblick auf Paris vom Tour Montparnasse © Gudrun Krinzinger

Aussicht auf Paris von der Kirche Sacre Coeur © Gudrun Krinzinger

Paris für Fans der modernen Architektur

Ich gebe zu, jetzt schummle ich. Denn das Hochhausviertel La Défense gehört streng genommen nicht mehr zum Stadtgebiet von Paris. Aber als Architekturfan muss man sich einfach unter das Dach der Grande Arche stellen und ins Zentrum von Paris blicken. Nur an ganz klaren Tagen erkennt man den Obelisken am Place de la Concorde, der immerhin 8 km entfernt ist.

Minimalistische Architektur in Paris - La Grande Arche © Gudrun Krinzinger

Zwei Fliegen schlägt man mit einer Klappe, wenn man die vom Architekten Frank Owen Gehry erbaute Cinémathèque im Stadtviertel Reuilly besucht: Moderne Architektur trifft französische Kinogeschichte

.Moderne Architektur in Paris - Cinémathèque © Gudrun Krinzinger

Und wer dann von moderner Architektur immer noch nicht genug hat, besucht Maison La Roche, ein von Le Corbusier geplantes Wohnhaus. Es ist mein ganz persönlicher Favorit.

So grün ist die Großstadt

Paris ist grüner als man glaubt. Mein „Lieblingspark“ ist der Jardin des Plantes. Zwar könnte man auch hier so einiges besichtigen (Evolutionsmuseum, Tierpark), aber nach einem ausgedehnten Shoppingtrip oder umfangreichen Sightseeingprogramm ist es notwenig sich in der schönsten Platanen-Allee in Paris eine Bank zu suchen und auszuruhen.

Jardin des Plantes in Paris © Gudrun Krinzinger

Platanenallee in Paris © Gudrun Krinzinger

Weiters freue ich mich jedes Mal auf einen Besuch im Rodin-Museum. Der Park ist ebenfalls wunderschön und herrlich ruhig.

Und dann hat sich Paris noch etwas Besonderes einfallen lassen: La Promenade Plantée. Eine ehemalige Eisenbahntrasse wurde umgestaltet und lädt zum Flanieren ein. Ich spaziere vorbei an Rosen, Bambus, Haselnussstauden und Lavendel und habe eine originelle Perspektive auf Paris, denn die Trasse verläuft auf halber Höhe der Wohnhäuser.

Stadt der Künste: Pariser Museen

Ich bin eine begeisterte Museumsgeherin und nirgendwo sonst gibt es so viele ausgefallene Museen wie in Paris. Und Paris wäre nicht Paris, würde es hier nicht ein Romantikmuseum (Musée de la Vie Romantique) geben. Ein kleines verwunschenes Häuschen empfängt mich in einem begrünten Innenhof. Viele Besucher waren schon hier: Frédéric Chopin, Eugène Delacroix, Franz Liszt, Gioachino Rossini und Charles Dickens und vermutlich auch George Sand, der das Erdgeschoß gewidmet ist. Das Museum ist so eingerichtet, als hätten die Bewohner es mal eben für einen kurzen Spaziergang verlassen.

Romantikmuseum in Paris © Gudrun Krinzinger

Besonders sehenswert finde ich auch das Fächermuseum (Musée de L’ Eventail) am Boulevard de Strasbourg. Die Ausstellung in den kleinen Räumen des Atelier Hoguet zeigt einen Überblick über die Tradition der Fächer in verschiedenen Kulturen und behandelt deren Materialien im Wandel der Zeit. Von Pfauenfedern über Seide bis zu kostbarer Spitze reicht die Palette. Hier werden außerdem noch immer Fächer gebaut und restauriert. Ist eine der handwerklichen Damen anwesend, darf man auch gerne zusehen.

Fächermuseum in Paris, ein Geheimtipp © Gudrun Krinzinger

Ein ganz besonderer Ort für die Fans der französischen Chansonsängerin ist das Edith Piaf Museum. Das Museum besteht aus zwei Zimmern und befindet sich einer Privatwohnung. Mindestens zwei Tage vor dem Besuch musste ich anrufen und bekam sowohl eine Uhrzeit als auch den Türcode für die Haustüre genannt. Erst vor Ort erfahre ich über die Sprechanlage das Stockwerk und Türnummer des Museums. Dann begrüßt mich Bernard Marchois, der sich mit Piaf sozusagen diese Wohnung teilt. Er kannte Piaf persönlich und wohnt in den zwei anderen Räumen der Wohnung. Was würde ich jetzt für bessere Französisch-Kenntnisse geben?

Im ersten Raum sitzt ein riesiger Teddybär in einem kleinen Kindersessel, daneben steht eine Pappfigur der nur 1,47 großen Sängerin. Eine Kleiderpuppe trägt das berühmte „kleine Schwarze“, Piafs Lieblingskleid. Fotos, Briefe, Bilder und goldene Schallplatten zieren die Wände, die Boxhandschuhe ihres Geliebten Marcel Cerdan liegen auf einem Beistelltisch. So wie im Romantikmuseum habe ich das Gefühl, die Sängerin würde gleich zur Tür hereinkommen und eines ihrer bekannten Lieder singen.

Geheimtipp in Paris: Edith Piaf Museum

Museum Straße: Streetart

Eine günstige Möglichkeit um Paris kennenzulernen ist einfach die Augen offenzuhalten. An allen Ecken und Enden gibt es lustige und witzige Wandmalereien. Berühmt ist zum Beispiel Invader, ein französischer Künstler, der angelegt an das Computerspiel Space Invader aus kleinen Kacheln Figuren schafft.

Street Art in Paris © Gudrun Krinzinger

Picasso Street Art im Space Invader Stil, gesehen in Paris © Gudrun Krinzinger

Eine neue Figur habe ich 2014 im Oktober in der Nähe des Picasso Museums entdeckt. Es zeigt natürlich…. Picasso!
Weiters kann ich mich für jeden Türknopf begeistern. Die zählen zwar nicht direkt zu Streetart, oder doch?

Ein fein gearbeiteter Türklopfer in Paris © Gudrun Krinzinger

Eine wie Keine: Die Pariser Oper

Normalerweise vermeide ich einen Besuch in der Oper (egal in welcher Stadt), aber eines Tages ging ich an der Pariser Oper vorbei, es war Tag der offenen Tür. Da dachte ich an das Phantom der Oper und konnte natürlich nicht widerstehen. Was ich sah, gefiel mir unglaublich gut. Erstens fand gerade eine Tanzprobe statt und ein Tänzer wirbelte durch die Luft. Zweitens ist das von Marc Chagall geschaffene Deckengemälde wunderschön. Es setzt einen bunten Akzent in die ansonsten sehr goldene Oper. Und erst das Grand Foyer, schön wie ein Ballsaal!

Grand Foyer der Pariser Oper © Gudrun Krinzinger

Blick auf den Eiffelturm mit leckeren Makronen © Gudrun KrinzingerZum Abschluss ein Macaron…

Zum Abschluss wollen meine Freunde noch wissen, wo es in Paris die besten Macarons gibt.

Ich behaupte mal ganz frech im Zentrum für französische Baukunst (Cité de l’architecture et du patrimoine).
Da gibt es ein kleines Kaffeehaus mit einer Terrasse, von wo aus man direkt auf den Eiffelturm sieht.

Denn am Ende jeder Reise dreht sich ja dann doch wieder alles um den Eiffelturm,
n’est-ce pas?

 

 


Adressen (Reihenfolge nach Absätzen):

Paris von oben

Tour Montparnasse
33 Avenue du Maine
Metro 4, 6, 12, 13, Station Montparnasse – Bienvenüe

Centre Pompidou
Place Georges-Pompidou
Metro 11, Station Rambuteau

Sacré Coeur
35 Rue du Chevalier de la Barre
Metro 2, Station Anvers

Paris für Fans der modernen Architektur

La Défense
1 Parvis de la Défense
92800 Puteaux
Metro 1, Station La Defense , RER A

La Cinémathèque française – Musée du cinéma
51, rue de Bercy
Metro 14 oder 6, Station Bercy

La Maison La Roche (Fondation Le Corbusier)
10, square du Docteur Blanche
Metro 9, Station Jasmin

So grün ist die Großstadt

Le Jardin des Plantes
Place Valhubert
Metro 5 oder 10, Station Austerlitz

Musée Rodin
79, rue de Varenne
Metro 13, Station Varenne

La Promenade Plantée
Die Promenade ist 4,5 Kilometer lang und geht durch den 12. Bezirk. Es gibt verschiedene Zugänge.
Mein Tipp: Avenue Daumesnil hinter der Oper Bastille
Metro 1, 5 oder 8, Station Bastille

Stadt der Künste: Pariser Museen

Musée de la Vie romantique
Hôtel Scheffer-Renan
16, rue Chaptal
Metro 2 oder 12, Station Pigalle

Le musée de l’éventail – Atelier Anne Hoguet
2, Boulevard de Strasbourg
Metro 4, 8 oder 9, Station Strasbourg – Saint-Denis

Edith Piaf Museum
5, Rue Crespin du Gast
Metro 2, Station Ménilmontant
Unbedingt vorher anrufen!
+33 1 43 55 52 72

Pariser Oper & Macarons

Opera national de Paris
8, Rue Scribe
Metro 3, 7 oder 8, Station Opéra

Cité de l’architecture et du patrimoine
Place du Trocadéro et du 11 Novembre
Metro 6 oder 9, Station Trocadéro


 

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