Berlin Insider – Kiez für Kiez erkunden

Wer Berlin erkunden möchte, kann sich vor To-Dos und Must-Sees kaum retten: Die Millionen-Stadt flirrt vor kulturellem Angebot, ikonischen Sehenswürdigkeiten und geschichtlicher Bedeutung. Als wir unsere ersten Reisen nach Berlin unternahmen, hechelten wir noch zwischen Reichstag, Brandenburger Tor, Fernsehturm, Museumsinsel, Kurfürstendamm, Jüdischem Museum und Checkpoint Charlie hin und her und entwickelten kein Gefühl für die Stadt. Sie erschien uns als zentrumsloser, unzugänglicher Riese.

Von der typischen Currywurst bis zu spontanen Konzerten im Park - so ist Berlin © Katharina Serles

In Wirklichkeit ist Berlin ein lebendiges Netz aus kleinteiligen, bunten, multikulturellen und höchst unterschiedlichen Nachbarschaften – den vielgerühmten „Kiezen“. Für euch haben wir Wege durch unsere aktuellen Lieblings-Kieze und -Bezirke zusammengestellt.


Tipp 1: Die Stadtmagazine Zitty und tip erscheinen ein- bis zweiwöchentlich und bieten einen umfassenden Überblick über aktuelle Ausstellungen, Konzerte, Parties, Theatervorstellungen etc. Die 2-4 Euro Investition zahlt sich aus.


Mitte(n) ins Herz schließen

Mitte hat viel mehr zu bieten als die klassischen Berliner Sehenswürdigkeiten: Von der Teilung am meisten betroffen, lebt der Stadtteil heute von seinen Kontrasten zwischen Ost und West. Die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße informiert auf 1,4 km umfassend und bilderreich. Beeindruckend sind auch die originalen Mauerteile und das imposante Stahl-Denkmal.

© Katharina Serles

Stahl-Denkmal der Gedenkstätte Berliner Mauer © Katharina Serles

Dass seit dem Mauerfall viel passiert ist, zeigt sich im Weinmeister Kiez: Der Kapitalismus ist im früheren Osten eingezogen und hier shoppt es sich besonders gut: Von Flagship Stores teurer Marken wie Hugo Boss und Karl Lagerfeld bis zu leistbarerer Mode von Ketten wie & other stories und Cos findet sich hier alles. Zur leiblichen Stärkung empfehlen wir koreanisches Essen im Yam Yam oder ein klassisches Berliner Frühstück im Blauen Band, beide in der Alten Schönhauser Straße.

Reste ostdeutscher Kultur in Berlin © Katharina Serles

Kunstsammlung Boros in Berlin © Katharina Serles

Deutschlands Geschichte und Kunst vereinen sich in der Sammlung Boros – einem absoluten Geheimtipp. Diese Privatsammlung zeitgenössischer Kunst wird in einem Bunker aus dem zweiten Weltkrieg ausgestellt und kann nur in geführten Gruppen zu je 12 Personen besichtigt werden. Rechtzeitig vorbestellen und staunen!

Weil man sich hoch oben am besten orientieren kann, und der Fernsehturm dafür fast schon zu teuer geworden ist, empfehlen wir die preiswertere Aussicht vom Kollhoff-Tower am Postdamer Platz.

Prenzlauer Berg mal anders

In 90er-Jahre-Reiseführern wird der Prenzlauer Berg noch als Stadtteil der Punks und Berliner Avantgarde bezeichnet. Die schnelllebige Stadt hat ihn mittlerweile aber in ein Eldorado für Cappuccino-LiebhaberInnen und Bio-Eiscreme-Shops (z.B. Hokey Pokey) verwandelt.

Am Sonntag im Berliner Mauerpark © Katharina Serles

Sponter Auftritt einer Band im Mauerpark © Katharina Serles

Trotz des „Umstylings“ findet man aber immer noch Reste aus alten Zeiten, zum Beispiel unter den hunderten von Sneakers auf der Odenberger Straße im Vintage-Shop Pauls Boutique. Und auf gar keinen Fall auslassen darf man Sonntags den Flohmarkt sowie das berühmt-berüchtige Open-Air-Karaoke im Mauerpark.

Indische Naan Pizza kann man am Berliner Prenzlauer Berg essen © Katharina Serles

Stärken kann man sich am besten auf der Kastanienallee: Ob im Café Schwarzsauer (Kastanienallee 13), das schon seit dem Mauerfall eine Prenzlauer Institution ist, im ältesten Biergarten Berlins (Prater Garten) oder mit einer indischen Naan-Pizza im W-Imbiss.


Tipp 2: Wenn’s mal länger dauert oder alkoholischer wird, einfach ein Taxi heranwinken und die „Kurzstrecke“ verlangen: Für 5 Euro kommt man dann bis zu 2 km weit – ins Bett oder in die nächste Bar.


Oh sagenumwobenes, liederbesungenes Kreuzberg

Wer X-Berg sagt, sagt auch Hipster, besetzte Häuser, Graffiti und Gentrifizierung. Immer noch ist der Multikulti-Bezirk ein Szene-Viertel – LebenskünstlerInnen und Slow-Travelers also hierher!

Brunch-Tipp Berlin: Markthalle IX in Kreuzberg © Katharina Serles

Hippe Kantine in der Kreuzberger Markthalle © Katharina Serles

Kulinarisch ist man morgens bei einem Käse-Früchte-Brunch im Bastard gut beraten, überhaupt finden sich um den Reichenbergerkiez einige Kaffee-Hot-Spots: In der Mikro-Rösterei Five Elephant wird selbstgerösteter Kaffee und der beste Cheesecake Berlins aufgetischt. Für Streetfood aus aller Welt empfiehlt sich an regnerischen Tagen die Markthalle IX, während es Dienstags und Freitags am Türkenmarkt am Maybachufer bunt zugeht.


Tipp 3: Gerade im Sommer spielt sich das Leben in Berlin auf der Straße ab, die sich auf dem Rad am besten erkunden lässt. Radverleihe finden sich hier an fast jeder Ecke, den Drahtesel der Wahl bekommt man mit Verhandlungsgeschick um rund 8 Euro am Tag.


Viktoriapark in Kreuzberg, Berlin © Katharina Serles

Am Abend treffen sich die Kreuzberger am Landwehrkanal für Drinks © Katharina Serles

Mit dem Rad geht es dann auch flugs in den Viktoriapark, der sich auf dem tatsächlichen Kreuzberg (66 m ,erhebt‘ er sich über der Stadt) befindet. Zum Plätschern des Wasserfalls und mit Blick auf Berlin lässt es sich dort gut in der Wiese herumtollen.

Für laue Sommerabende ist ein Spaziergang am Landwehrkanal genau das Richtige: Da reihen sich belebte Boule-Plätze und hübsche Gastgärten mit Blick auf Wasser und Gründerzeithäuser aneinander. Die authentischsten Ramen Nudeln gibt es im Cocoloco, preiswert italienisch essen kann man in der Trattoria Il Casolare (Grimmstraße 30).

Danach unbedingt ein kühles Bier vom „Späti“ (nach Ladenschluss versorgen sich echte Berliner im Spätkauf um die Ecke) auf der Admiralbrücke genießen. Hier trifft sich der Bezirk zum lockeren Austausch in der Abendsonne und auf aufgewärmten Backsteinen.

Sonnenuntergang in Berlin © Katharina Serles

Berlin ist ein Mekka für Konzerte und Musikclubs © Katharina Serles

After-Dinner-Drinks gibt es in der Oranienstraße: Von der hippen, kerzenbeleuchteten Luzia-Bar zur Rocker-Kneipe Franken reihen sich dort Kuriositäten wie ein 24-Stunden Blumenladen, Cowboy-Boots-Ausstatter und die plüschige GayBar Roses (Oranienstraße 187) aneinander. Das Museum der Dinge widmet sich – Überraschung – den kleinen Dingen und ist damit perfekter Ausdruck des bunt gemischten Oranienkiez-Gefühls.

Clubbing passiert in Kreuzberg am Ufer und mit vornehmlich elektronischer Musik: In- und outdoors geht das in ://about blank, Club der Visionäre, Chalet und Zur Wilden Renate. Neben Techno gibt es im Watergate auch einen Panorama-Ausblick auf die Spree.

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