Silvester in Bilbao: Von Weintrauben, Welpen & lauten Familien

Die spanische Gastfreundschaft ist BIlbao eingeschrieben

Blick auf Bilbao, größte Stadt des Baskenlandes, Spanien

Fußgängerbrück in der baskischen Stadt Bilbao

Auf einmal ist sie wieder da – die Jahreszeit voll Schnee, roten Nasen und eiskalten Fingern, die nicht mal unter der Bettdecke richtig warm werden wollen. Manchmal möchte man da einfach ab ins nächste Flugzeug und den Plusgraden hinterher reisen. Nur wohin?

Spontan fällt mir ein Aufenthalt in Bilbao ein, bei dem ich die Gelegenheit hatte, ein echt spanisches Silvester mit der Familie meiner lieben Freundin Arrate zu feiern. Zugegeben, das Baskenland im nördlichen Spanien ist jetzt nicht die Sonnendestination Nummer eins. Aber verglichen mit Österreich ist es zu dieser Jahreszeit dort richtig angenehm.

Ankunft in Bilbao – und mein erster interkultureller Fauxpas

Mit Partykleid und jeder Menge guter Laune in der Tasche bestieg ich also bei Minusgraden das Flugzeug in Wien und kam im ca. 20 Grad warmen Bilbao wieder an. Aufgeregt flog ich am Flughafen meiner Freundin in die Arme und rief: „¡Viva España!“ – was mir sofort ein mahnendes „Pssssst!“ einbrachte. In meinem Freudentaumel hatte ich vergessen, dass das Baskenland eine autonome Gemeinschaft mit eigenem Stolz ist.

Baskische Tapas namens Pinxtos und spanisches Bier zum Abendessen an Silvester

In Spanien sind Häppchen, auf baskisch Pinxtos, beliebte Vor- und Hauptspeisen

Arrates Eltern kannte ich bis dato nur vom Hören-Sagen, doch ich wurde sofort herzlich aufgenommen und mit Umarmungen überschüttet. Da war sie nun, die berühmte spanische Gastfreundschaft. Und es ging weiter: Gegen 18 Uhr knurrte mir schon leicht der Magen, doch auf das Abendessen musste ich noch etwas warten.

Wir starteten mit einer Art Barhopping, bei dem mir vor allem die Bars El huevo frito und El globo in Erinnerung blieben. Das liegt sicher auch daran, dass es dort zum perfekt-kaltem Bier auch die köstlichsten Häppchen gab. Diese werden hier übrigens nicht Tapas sondern Pinchos (Baskisch: Pintxos) genannt. Als Vegetarier hat man es da meist schwer, aber mit Hilfe von Arrate und den lustigen Wirten konnte ich dann doch einige probieren. Und zugegeben, auch das Bier half über den ersten Hunger hinweg. Dieses kleine Glas Köstlichkeit wird im Baskenland als Zurito bezeichnet und ist sogar noch kleiner als das für Spanien so typische Caña. Ja, an die baskische Sprache muss man sich erst gewöhnen.

Auf der Straße fand ich mich später in einer Meute grölender und singender Menschen wieder. Es waren die Fans der „baskischen Fußballnationalmannschaft“. Diese wird zwar von internationalen Verbänden nicht anerkannt, aber immer gegen Jahresende findet in Bilbao ein Spiel gegen eine „echte“ Nationalmannschaft statt, für das sich die stolzen baskischen Fans schon Stunden davor in der Stadtmitte treffen, um gemeinsam zum Stadion zu gehen und dabei zu feiern.

Baskische Fußballmannschaft bei einem Turnier

Spaziergang durch Bilbao: „Sightseeing light“

Blick auf das Guggenheim Museum in Bilbao bei Nacht

Obwohl ich vor allem wegen der Silvesterparty nach Bilbao geflogen war, wollte ich zumindest etwas von der Stadt sehen. Sightseeing light, sozusagen – allem voran das Guggenheim Museum. Ja, auch Bilbao hat eines. Ich bin zwar kein großer Fan von moderner Kunst, aber das Gebäude an und für sich fasziniert mich einfach.

Und auch Puppy, der 12 Meter große Welpe aus Blumen, der vor dem Museum wacht, hat es mir angetan. Puppy auf Englisch auszusprechen war übrigens mein zweiter großer Fauxpas während dieser Reise.

Die Blumenskulptur Puppy in Bilbao stellt einen jungen Hund dar

Der Countdown läuft – 12 Glockenschläge bis zum neuen Jahr

Weintrauben essen gehört im Baskenland zu den Silvestertraditionen

Dann war er endlich da, der letzte Tag des alten Jahres. Vorausschauend hielten wir am Nachmittag eine ausgiebige Siesta. Wir hatten schließlich eine lange Nacht vor uns. Und dann ging’s los. Gemeinsam mit Arrates Familie gab es ein ausgedehntes Abendessen. Der Lärmpegel wurde immer lauter und ich fühlte mich wohl. Dazu muss man wissen, dass ich von Natur aus laut bin und in Österreich deswegen oft angeredet werde. Hier war ich diesbezüglich einfach Durchschnitt. Es war herrlich.

Nach dem Essen teilten wir je 12 Weintrauben auf kleine Teller auf, die zu den letzten 12 Glockenschlägen des Jahres gegessen werden. Für jede „uva de la suerte“ hat man einen Wunsch frei. Isst man jedoch zu langsam, droht Unglück. Kurz bevor es losging raunte mir Arrate zu, dass ich auf keinen Fall die anderen beim Verschlingen der Trauben beobachten darf. Das schaut manchmal so lustig aus, dass man vor lauter unterdrücktem Lachen selbst nicht mehr weitermachen kann. Dieser Hinweis bewirkte natürlich das Gegenteil bei mir.

Um Punkt Mitternacht war die letzte Traube verschlungen, alle fielen sich in die Arme und es wurde wieder lautstark geredet und gelacht. Ich konnte es mir nicht verkneifen den Donauwalzer anzuspielen und die ganze Familie begann zu tanzen – Kulturaustausch im Wohnzimmer sozusagen.

Leute auf den Straßen Bilbaos nach einem Fußballspiel

Partyspaß an Silvester in Bilbao

Kurz darauf holten uns Arrates Freunde ab, die Straßen von Bilbao hatten sich bereits in eine Partymeile verwandelt und gemeinsam stürzten wir uns ins Getümmel. Aus den Lokalen erklang fröhliche Musik und ich tanzte mit einem Glas in der Hand und einem Partyhütchen am Kopf (wo kam das auf einmal her?) bis in die frühen Morgenstunden von Bar zu Bar. Ja, feiern können sie, die Basken. Und ich anscheinend auch 😉

In Spanien verspeist man an Silvester nach Tradition zwölf Trauben, für jede darf man sich etwas wünschen

Der Tag danach: Leere Straßen & Churro

Am nächsten Tag wurde ich bereits am späten Vormittag munter, während meine Freundin noch tief und fest schlief. Zu Hause hätten mich wohl keine 10 Pferde aus dem Bett gebracht, aber ich war am Meer und die Sonne schien vom Himmel. Also schlich ich mich raus und spazierte durch die Stadt. Diese wirkte wie ausgestorben. Ganz Bilbao war anscheinend noch im Tiefschlaf. Nach einer Stunde Herumirren entdeckte ich endlich ein Café, das mit zwei älteren Damen für einen 1. Jänner anscheinend gut besucht war. Ja, in Bilbao würde ich heute nichts erleben und ich beschloss, dass es dann doch wieder Zeit für eine Siesta war. Aber zuvor gab es noch eine Portion Churros für mich. Das brauchte ich nach dieser langen Party-Nacht.

Churros, Leibspeise der Spanier mit dicker Schokoladensoße

Ach, wie schön war das Tanzen, das Lachen, das Laut-sein und dieser enorme Familienelan. Alleine beim Schreiben würde ich am liebsten ins nächste Flugzeug springen und mich tanzwütig in die südländische Partymeute schmeißen. Leider ist mein Reisebudget für heuer schon aufgebraucht – aber zum Glück fängt bald ein neues Jahr an. Und mit meinen Glücksweintrauben habe ich ja 12 Wünsche frei …

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