Schottland Insider: Ein Jahr im Land des Schottenrocks

Als ich vor 6 Monaten nach Schottland zog um ein Masterstudium an der University of Glasgow zu absolvieren, dachte ich noch, dass die Umstellung ja gar nicht so groß sein kann. Immerhin sind die britischen Inseln Teil Europas, und damit Teil meiner europäischen Kultur. Aber damit lag ich weit daneben. Vom ersten Tag an präsentierte sich Glasgow als eigensinnige, jedoch liebenswerte Überraschung – ein Rätsel, das erst einmal gelöst werden wollte.

Isle of Sky in Schottland

Auch in Glasgow findet man die typischen britischen Telefonzellen

Der erste Schock – sprechen Schotten Englisch?

Während ich mich mit den Romanen von Irvine Welsh, der Musik von Travis und dem Disneyfilm Brave den Sommer über mental auf Schottland vorbereitete, wurde mir schnell klar, welches Problem sich wohl nicht vermeiden lassen würde: die Sprachbarriere. Und das trotz jahrelangem Englischunterricht und zahlreichen Auslandsaufenthalten. Der schottische Dialekt ist vom standardisierten Oxford-Englisch in etwa so weit entfernt, wie Vorarlbergerisch von Hochdeutsch. Lächeln und Nicken war alles, was ich meinem Taxifahrer während der Fahrt vom Flughafen zu meiner Wohnung entgegnen konnte. Erschwert wurde die Verständigung durch zahlreiche Eigenwörter wie wee (ittle, dt. klein), druth (thirsty, dt. durstig) oder barry (splendid, dt. großartig). Zum Glück aber, sind die Schotten ein freundliches Völkchen, das sich wenn notwendig den sprachlichen Fähigkeiten der Touristen anpasst. In der Regel bemühen sie sich sehr um gegenseitiges Verständnis.

Traditionelle schottische Straßenmusikanten

Glasgow: Vom Schiffsbauzentrum zur schottischen Kunstmetropole

Vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert war Glasgow wichtiger Handelsplatz, führend im Schiffsbau und aus der Stahlindustrie nicht wegzudenken. Die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre traf die Stadt mit voller Wucht und stürzte die ansässige Arbeiterklasse in Arbeitslosigkeit und brachte enorme soziale Herausforderungen mit sich.

Glasgows Wahrzeichen: Finnieston Crane und Clyde Arch

Heute ist Glasgow nach wie vor die größte Stadt Schottlands, sie erholt sich zunehmend vom Schock der letzten Dekaden. Zahlreiche kulturelle Initiativen und die Anziehungskraft der Glasgower Universitäten bewirken eine Steigerung des Lebensstandards. Die Atmosphäre der ehemaligen Industriestadt lässt sich nur noch anhand der charakteristischen Sehenswürdigkeiten erahnen – der Finnieston Kran am Fluss Clyde zum Beispiel, der an die industrielle Vergangenheit der Stadt erinnern soll.

Das moderne Glasgow präsentiert sich als attraktive Studentenstadt, mit großartigem Studienangebot und dynamischem Stadtgeschehen, aber auch als touristischer Geheimtipp, der sich zwar drastisch von der schottischen Hauptstadt Edinburgh unterscheidet, ihr aber in nichts nachsteht.

Orientierung und Highlights in Glasgow

Glasgow lässt sich grob in fünf Regionen aufteilen: East End, City Centre, West End, The Clyde, und die umliegenden, vorstädtischen Wohngebiete.

Das East End befindet sich im Osten des Zentrums und ist besonders bekannt für die imposante Glasgow Cathedral sowie den viktorianischen Friedhof, Necropolis. Von hier kann man einen schönen Ausblick auf die Stadt genießen.

Glasgow Necropolis Friedhof

Das Stadtzentrum bietet eine hervorragende Kombination aus Shopping und Sightseeing an, die Einkaufsmeilen Buchanan Street und Sauchiehall Street laden zum Flanieren ein, während Merchant City, George Square, Tron Church und die Gallery of Modern Art das Herz eines jeden Kunst- und Architekturfans höher schlagen lässt.

Glasgow Buchanan Street

Ein Muss beim Sightseeing in Glasgow: George Square

Gallery of Modern Art in Glasgow

Im Gebiet entlang des Flusses Clyde treffen historische Hafengebäude und moderne Architekturwunder aufeinander – der Finnieston Kran, die Clyde Arc Brücke, das Clyde Auditorium, das Glasgow Science Centre und etwas weiter westlich das Riverside Museum.

Glasgow Science Centre)


Glasgow Transport

  • Bus, U-Bahn & Zug werden von individuellen Unternehmen geführt – die Ticketpreise sind dementsprechend unterschiedlich und Tickets separat zu kaufen.
  • Die insgesamt 15 Stationen der U-Bahn laden zum sogenannten Sub-Crawl ein – Ziel ist es, bei jedem Stopp ein Pub zu besuchen.

Die Glasgower Bohème im West End

Der westliche Stadtteil West End ist das pulsierende Herz Glasgow’s. Hier befinden sich das gigantische Kelvingrove Museum und die University of Glasgow, die mit ihrem Hauptgebäude im neugotischen Stil unmissverständlich an Harry Potter’s Schule für Zauberei erinnert. Als fleißige Studentin spielt sich der Hauptteil meines Lebens hier ab.

glasgow west end (Kelvinbridge)

University of Glasgow

Zahlreiche Cafés, Second Hand Läden, Restaurants und Bars sind äußerst einladend. Zu meinen Favoriten zählen das Artisan Roast für einen gemütlichen Nachmittagskaffee, die Vintage Boutique Retro für besondere, textile Fundstücke, das vietnamesische Restaurant Hanoi Bike Shop und das Pub The Belle für das Abendprogramm.

Café Artisan Roast im West End

Vintage Boutique Retro

Botanischer Garten in Glasgow

Frühlingsblüte im Kelvingrove Park

Zum entspannen in der Natur empfehlen sich der Kelvingrove Park südöstlich der Universität und der Botanische Garten nordwestlich davon.

Tagesausflug: Edinburgh – Touristische Hochburg Schottlands

Schottland’s Hauptstadt Edinburgh ist in etwa einer Stunde per Bus oder Zug zu erreichen – Verbindungen ab Glasgow Central Station oder Buchanan Bus Station bestehen nahezu im Viertel-Stunden-Takt! Ein Tagesausflug bietet ein touristisches Kontrastprogramm zu Glasgow, bereits nur wenige Stunden in der Stadt Edinburgh fühlen sich schon fast wie ein Kurzurlaub an.

Die Royal Mile in Edinburgh

edinburgh (Die Royal Mile)

Sowohl der Bahnhof, als auch der Busbahnhof befinden sich in der New Town, etwa 15 Gehminuten von der historischen Altstadt entfernt. Das mittelalterliche Zentrum ist Dreh- und Angelpunkt des Stadtgeschehens. Die imposante Burg thront über der Stadt und bildet den Ausgangspunkt für die Flaniermeile Royal Mile, die den Berg hinab führt. Links und rechts davon wechseln sich Museen, Restaurants und Bars, Sehenswürdigkeiten wie die St. Giles Kathedrale und Ferienapartments für die Touristenströme.

Das schottische Nationalmuseum in Edinburgh.

Aussicht auf Edinburgh von der Dachterrasse des Nationalmuseums

Etwas abseits befinden sich der farbenfrohe Grassmarket und das einladende National Museum of Scotland – bei freiem Eintritt lohnt sich der Besuch schon allein wegen der wunderbaren Dachterrasse mit Blick auf die Burg!

Sonnenbank in Leith, Edinburgh

Die schottische Nationalspeise Haggis in The King's Walk

Umtrunk in The King's Wark, einem uralten Pub in Leith, Edinburgh

Um die Stadt von ihrer authentischen Seite zu erleben, muss man sich ein bisschen vom Stadtzentrum wegbewegen. Entweder Richtung Küste ins nördliche Leith – einst industrielle Hafenvorstadt, heute ein aufstrebender Stadtteil und Anziehungspunkt für die artistische Szene –, oder östlich der New Town nach Stockbridge. Hier befinden sich vor allem Edinburghs kulinarische Highlights: zum Beispiel die Patisserie Florentin für Kaffee und Kuchen, das Pub The King’s Wark für Haggis und Bier, oder The Scran & Scrallie für Dinner und Cocktails.

Der Status Quo nach einem halben Jahr Schottland

Den anfänglichen Schwierigkeiten zum Trotz dauerte es bei mir nicht lange, um den Zauber Schottlands und vor allem Glasgows zu erkennen.
Umgeben von einer der beeindruckendsten europäischen Landschaften, entpuppte sich die Stadt am Fluss Clyde als eine lebhafte Metropole! Sie bietet alles, was mein Großstadtherz höher schlagen lässt.

Es gibt immer etwas zu entdecken – ob als Tourist oder als Zugezogene. Die Stadt überrascht mich täglich aufs Neue!


Schottland Highlights

  • Wandertouren im schönsten aller Täler: Glen Coe
  • Sea-Kayak Schnupperkurse in Oban
  • Islandhopping: Isle of Skye oder Shetlandinseln
  • Besuch einer der zahlreichen Whisky Destillerien
  • Die Jagd auf das Monster von Loch Ness

Schottland (Achtung Schafe!)

Obligatorischer Besuch in einer schottischen WhiskybrennereiIsle of Skye in Schottland

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