Mein New York: Spaziergang durch den Big Apple

Es gibt nur wenige Städte in denen man sich vom ersten Augenblick an wie zu Hause fühlt. Für mich ist New York eine davon.

Buntes Farbenspiel der Bäume im Central Park im Herbst, New York, USA

Das liegt nicht zuletzt daran, dass diese Stadt, wenn man sich einmal auf sie einlässt, kein unübersichtlicher Moloch ist, sondern eine Ansammlung kleiner Dörfer, die sich über die Insel Manhattan und darüber hinaus verteilen. Mein Heimatdorf in New York war und ist East Village. Von dort aus führen mich meine Streifzüge immer wieder in andere Dörfer, die ich wohl zu schätzen weiß, letztlich aber immer wieder froh verlasse um „nach Hause“ zurückzukehren.

Manhattan – Das Herz von New York City

Die langgezogene Insel zwischen East River und Hudson River ist für mich immer noch das Herz New Yorks. Auch wenn man in den anderen Boroughs, wie man die Stadtteile bezeichnet, ebenso viel Interessantes und Aufregendes findet, meine “Hood” liegt in Manhattan.

Panorama von Manhattan, New York City

Trotz Gentrifizierung hat sich das East Village etwas von seinem rauen Charme aus früheren Zeiten bewahrt. Und man entdeckt ihn noch, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen wandelt.

In der 8th Street, auch als St. Mark’s Place bekannt, zum Beispiel: eine Mischung aus Touristenmeile und Punk- bzw. Bohème-Laufsteg, wo sich 24 Stunden am Tag alle möglichen skurrilen Leute herumtreiben und einem wirklich nie langweilig wird.

Flanieren als oberste Pflicht – Meatpacking District

Wer sein eigenes New York entdecken will, der muss zu Fuß gehen. Die Weltstadt, vor allem Manhattan, eignet sich dafür wie kaum eine anderer Ort. Streifzüge kann man diesbezüglich aus den verschiedensten Nachbarschaften starten, indem man sich mit U-Bahn oder Bus einen Startpunkt sucht und dann einfach losläuft – am besten ohne wirkliches Ziel vor Augen.

Wassertürme über den Dächern von Manhattan, New York

Meatpacking District in Manhattan, New York

Eine dieser Flanierrouten könnte beispielsweise im Meatpacking District liegen. Gestartet wird am Chelsea Market, einer überdachten Markthalle, in der sich die Modelszene von New York gern aufhält. Von hier aus wandelt man ab der 15th Street in Richtung Süden in den Meatpacking District und findet dort mittlerweile eine der glitzerndsten Gegenden der Stadt. Wem das gefällt, der kann in Designerläden ausgiebig shoppen oder in einem von der Schickeria frequentierten Lokal einen Drink nehmen.

Ich würde diesbezüglich Pastis empfehlen, dort kann man auch ausgezeichnet essen und der praktisch gelegene Gastgarten lädt im Sommer zum Betrachten der schillernden Passantinnen ein (Das Lokal ist momentan zur Renovierung geschlossen, sollte aber Anfang 2015 wieder öffnen).

Der High Line Park in New York wurde auf dem Gelände einer Hochbahnstrecke erbaut

Highline Park, New York © Susanne Zöhrer

Wer eine luxuriöse Absteige sucht, der kann es sich gleich gegenüber im Gansevoort Hotel gemütlich machen. Dieses bietet so circa alles, was das dekadente Herz wünscht, samt Swimmingpool und Cocktailbar am Dach.

Auslüften kann man sich schließlich auf der High Line, einem Park, der 2009 auf einer stillgelegten Hochbahn eröffnet wurde und sich mittlerweile zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in New York gemausert hat.

Ein Dorf im Westen & Klein China

Wer noch nicht müde ist, kann sich nun weiter in den Süden treiben lassen, und die kleinen Gassen des West Village erkunden. Hungrige sollten einen Zwischenstopp im St. Ambroeus einlegen. Das ist ein kleines, feines, italienisches Restaurant an einer hübschen ruhigen Ecke, in dem es sich – wenn die Jahreszeit es erlaubt – im Gastgarten hervorragend speisen lässt (das Frühstück ist herrlich!).

Apparments im West Village, New York City

Diner im Meatpacking District, NYC © Susanne Zöhrer

Quer durch Soho wandelt man schließlich am besten weiter gen Süden, um sich in das Getümmel auf der Canal Street zu werfen. Dort liegen aneinandergereiht wie Sardinen, einer nach dem anderen, die Krämerläden Chinatowns und somit alles was das Fälscherherz begehrt. Wer Glück hat kann sein Geld sogar noch in einem der verbotenen Three-Card-Monte Spielen verlieren. Oder man sieht einfach zu, wie’s einem anderen aus der Tasche gezogen wird. Kleine Straßengaunereien, das liebe ich auch an New York.

Straße in Chinatown, New York City

Im Südosten Manhattans: Ciao Bella und Mazeltov!

Von der Canal Street lässt man sich mit der Menschenmenge, die dort jederzeit hin- und herströmt, einfach weiter nach Little Italy spülen. Dort kann man sich in einer der Touristenfallen ein teures Glas Rotwein leisten, oder aber man lässt die Pizzerien samt wortgewandten Gigolos, die einen in die Lokale locken wollen, einfach links liegen und geht schnurstracks weiter in die Lower East Side.

Von Italien nach China: In New York, Little Italy, werden schnell Landesgrenzen überschritten

Das wohl jüdischste Viertel von New York ist mittlerweile auch Anlaufstelle für neuere Immigrantenwellen, vornehmlich aus dem osteuropäischen und asiatischen Raum. In den zentralen Straßen jedoch finden sich nach wie vor einschlägige Lokale, die das kulinarische Herz des Big Apple bilden. Bagel, Cream Cheese and Lox, Matzoball Soup und nicht zu vergessen Pastrami Sandwiches!

Pastrami Sandwich, besonders beliebt in New York

Katz's Delicatessen, ein berühmtes Esslokal im Herzen von New York City

Mittlerweile sollte man durch die zurückgelegten Kilometer auch wieder einen Mordshunger entwickelt haben, ich empfehle deshalb allerwärmstens einen Abstecher in eines der bekanntesten und besten Delis der Stadt: Katz’s Delicatessen. Die Pastramisandwiches sind dort so dick gefüllt, dass man gar nicht recht davon abbeißen kann. Meg Ryan hatte dort übrigens ihren vorgetäuschten „When Harry Met Sally“ Orgasmus.

Good night NYC: Heimwärts ins East Village

New Museum New York © Susanne Zöhrer

Endpunkt derartiger Ausflüge, die mich stets kreuz und quer über die Insel getrieben haben, war für mich jedesmal das East Village. Die Bowery, eine der zentralen Straßen des Viertels, hat mittlerweile, hauptsächlich durch diverse Designerläden, ihren charakteristischen Charm verloren. Mit Ausnahme des sehr genialen New Museum, das durch seine wunderbare Architektur und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst besticht.

Weiter geht es über die Second Avenue bis zur Ecke 9th Street, wo sich mein Lieblingsplätzchen in New York befindet. Das Mud Spot, eine Mischung aus Restaurant, Espressobar und Neighborhood Hang-Out. Hier kann man Abends ein gutes Bier vom Fass genießen und mit den Einheimischen über Klatsch und Tratsch im „Dorf” diskutieren.

 

Spruch vor dem Mud Spot in New York City © https://www.facebook.com/onMUD

Eines steht auf jeden Fall fest: New York muss jede/r für sich selbst entdecken. Es gibt kein absolutes Must-see oder Must-do. Das Einzige, was wirklich unerlässlich ist: Losgehen und sich auf diese wunderbare Stadt einlassen. Damit habe ich vor vielen Jahren begonnen und mit jedem neuen Besuch hänge ich ein weiteres Stück individuellen Spazierwegs in diesem, in meinem, New York dran.

Blick auf Manhattan von Brooklyn, New York © Susanne Zöhrer

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