Budapest Insider: Stadt der Vielfalt

Seit Jahren verbringe ich Wochen(enden) in Budapest, um meinen dort lebenden Bruder zu besuchen und die Stadt zu erkunden. Am meisten begeistert mich wohl das hiesige Nebeneinander von unterschiedlichen, oft widersprüchlichen Stilen und Stimmungen. Nicht zu vergessen das reiche historische Erbe der Stadt und die nicht minder reichhaltigen ungarischen Speisen.

Historischer Palast in Budapest bei warmen Herbstlicht

Alte Straßenbahn in Budapest

Budapest: Das Hollywood von Osteuropa?

Die meisten von uns haben schon ziemlich viel von Budapest gesehen, auch wenn man noch nie dort war. Budapest ist nämlich ein sehr beliebter Drehort für Hollywoodfilme und Musikvideos. So tobt sich zum Beispiel Katy Perry im Video zu „Fireworks“ am Dach des beeindruckenden Parlamentsgebäudes im neogotischen Stil aus.

Blick auf die Kettenbrücke und das Parlament von Budapest

Die Beliebtheit Budapests für Filmszenen liegt neben den niedrigeren Löhnen hauptsächlich an dem vielschichtigen Stadtbild. Die Donau teilt die 1,7 Mio- Einwohner-Stadt in das westlich gelegene, hügelige, grüne (und meist teurere) Buda und das östlich gelegene, flache, dicht bebaute und pulsierende Pest.

Diese Vielschichtigkeit führt dazu, dass in Steven Spielbergs „München“ alle Szenen, die angeblich in Rom, Paris, London und München spielen, in Budapest gedreht wurden. Dabei hätte Budapest als europäische Stadt par excellence es gar nicht notwendig, irgendwen anderen zu spielen als sich selbst.


TIPP: Ungarische Hausmannskost

  • Café Gerloczy (Gerlóczy u. 1): Eine Mischung aus französischem Café & ungarischem Gasthaus – das Gulyas ist hervorragend!
  • Bock Bisztro (Erzsébet körút 43-49): Essen auf höchstem Niveau, trotzdem gemütlich. Unbedingt reservieren.
  • Kadar Etterem (Klauzal ter): Keinerlei Schnickschnack, gezahlt wird an der Kassa am Ausgang. Aber es fühlt sich an, als wäre man bei seiner ungarischen Großmutter zu Besuch, die nur köstliche Sachen auf den Tisch stellt.

Gelebte Geschichte: von Monarchie bis (Post-)Moderne

Alleine die bekanntesten Sehenswürdigkeiten erzählen viel von Ungarns wechselhafter Geschichte: Prachtbauten wie das Opernhaus, der Heldenplatz mit den zwei Museen und die die Stadt in Buda und Pest teilende Donau verweisen auf die k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn.

Kriegsdenkmal am Budapester Donauufer

Heldenplatz in Budapest

Die Andrássy-Út, Budapests Prachtstraße, nimmt namentlich Bezug auf Fürst Andrassy, der in den Sissi-Filmen Romy Schneider den Hof macht.  Vom Aussehen her erinnert die Straße an Paris und die Champs-Elysses, nach dessen Vorbild sie angelegt wurde.

Architektur in Budapest

Bröckelnde Fassaden an prächtigen Jugendstilgebäuden und diverse hastig hochgezogene Plattenbauten zeugen von der Zeit des Kommunismus, während im Stadtzentrum an jeder Ecke renoviert wird und ein Flagship Store nach dem anderen hochgezogen wird – Budapest ist im Kapitalismus angekommen.

Das berühmte Parlamentsgebäude von Budapest

Wer sich für die Kontinuitäten und Brüche der ungarischen Geschichte interessiert, dem sei ein Besuch des Terror Háza (Haus des Terrors) ans Herz gelegt. Dies ist ein als Gedenkstätte konzipiertes historisches Museum.


TIPP: Thermalbäder

Budapest hat einige Thermalquellen, ein Besuch in einem der Thermalbäder ist quasi Pflicht. Besonders beliebt: das Gellért.(Das Gebäude war Vorbild für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“)

Mein Favorit: das Rudas-Bad.


Feiern in Budapest: Aufbruchsstimmung & Ruinenbars

Die Geschichte der Stadt lässt sich aber auch gut durch Schlendern, Essen und Trinken erschließen. Einen Abend mit traditionell deftigen, großen Portionen ungarischer Küche und dem scheinbar obligatorischen Schnaps zum Bier startet man am besten im jüdischen Viertel rund um die Große Synagoge. Einfach eine der Straßen im siebten Bezirk (Elisabethstadt) entlanggehen, zum Beispiel die Dob ut, und man bekommt ein Gefühl für die Aufbruchsstimmung in Budapest.

Straßenrestaurant in Budapest

Charmante Ruinenbar in Budapest

Ein Lokal muss herausgehoben werden – das Szimpla Kert. Es ist quasi die Mutter der romkocsmáks, eine budapestspezifische Form der Abendlokale.

Romkocsmáks bedeutet so viel wie Ruinenbar. Leerstehende Gebäude werden zu mehrstöckigen Clubs, und im Sommer werden schon einmal Baulücken zu Freiluftlokalen umfunktioniert. Dadurch ändert sich aber auch die Lokal- und Clubszene ständig. Und sobald ein Gebäude abgerissen wird, eröffnet in einem anderen leerstehenden Haus ein neues Lokal. Die Seite http://ruinpubs.com/ bietet einen guten Überblick über die aktuell geöffneten Lokale.

Man darf sich diese Lokale aber nicht als spartanisch eingerichtet oder schmutzig vorstellen. Meistens werden Innenhöfe sowie umliegende Räume im Erdgeschoss genutzt und oft von lokalen Künstlern liebevoll dekoriert. So ist zum Beispiel das Ötkert, welches das Konzept der romkocsmáks übernommen hat, eine eher noble Angelegenheit. Am Abend bildet sich vor dem Eingang nicht selten eine meterlange Schlange schick angezogener Menschen.

Ums Eck der großen Synagoge liegt das Corvinteto – ein Club mit riesiger Dachterrasse.

Markthallen, Langos & andere deftige Genüsse

Wenn man lange unterwegs war, braucht man am nächsten Tag nach dem Aufstehen eine ordentliche Stärkung. Bestens dazu geeignet ist ein Langos, ein in Fett herausgebackenes Fladenbrot, welches danach noch mit Zutaten belegt wird. Traditionellerweise wird es mit Knoblauchsauce und Rahm eingeschmiert und dann kommt noch eine ordentliche Portion geriebener Käse drauf.

Die Große Markthalle in Budapest

Langos, traditionelles belegtes Fladenbrot aus Ungarn

Aber wo gibt es das beste Langos? Sehr beliebt ist der Langosstand im oberen Stockwerk der lichtdurchfluteten Großen Markthalle, eine beeindruckende Konstruktion bei der Freiheitsbrücke. Hier findet man ebenfalls deftige ungarische Kost wie Pörkölt (die ungarische Variante des Wiener Rindsgulasch) oder Paprikahendl. Die unteren Stockwerke der Markthalle bieten sich dazu an, ungarische Spezialitäten wie den Kräuterschnaps Unicum, Gänseleber, diverses vom Mangalitza-Schwein oder eingelegte und mit Sauerkraut gefüllte Paprika zu kaufen.

Tipp: Preise vergleichen lohnt sich – sie variieren stark von Stand zu Stand.

Wer es billiger mag und nicht von Touristen umgeben sein möchte, geht zur Markthalle Lehel Gyógyszertár. Das Gebäude sieht aus wie ein abgestürztes Ufo – angeblich hat der beauftragte Architekt die Markthalle als versteckte Kritik am kommunistischen Regime absichtlich verunstaltet…

Die Umfrage unter Einheimischen und der Selbstversuch haben aber ergeben, dass man das beste Langos versteckt im ersten Stock, ganz rechts im Eck, bei der Fény utca 2 bekommt.

  • Große Markthalle: Vámház körút 1-3
  • Lehel Gyógyszertár: Váci út 9-15

TIPP: Lokalperlen

Bambi, ein Lokal Geheimtipp in Budapest

  • Bambi Presszó (Frankel Leo utca 2): Mein Budapester Lieblingslokal. Sehr gemütlich, alle Altersklassen, Anzugträger sitzen neben backgammonspielenden Pensionisten.
  • Piaf (Nagymező utca 25): Ehemaliges Bordell. Eigentlich nie geschlossen. Eine ältere Dame singt für die zwischen den samtenen Wänden herumtorkelnden Nachtschwärmer Piaf-Lieder.
  • Elöre 57 KGST-Lounge (Akácfa utca 57): Die ungarische Version eines Espressos, welches die Zeit des Kommunismus überlebt hat – inklusive Metallstiege quer durch das Lokal. Leberschädigende Getränkepreise.

Blick auf Budapest und die beiden Donauufer

Also ab nach Budapest, die Stadt braucht euch! Und damit ihr dann, wenn ihr das nächste Mal ins Kino geht, auch wisst, wo dieser angeblich römische Innenhof und das vermeintliche Pariser Café wirklich liegen.

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