I heart London: Insider Guide zu Englands Metropole

Redakteurin und Bloggerin Maria startet unsere neue Insider-Reihe mit der wohl aufregendsten Metropole Europas. Teil 1: Das „wahre“ London? Das East End & wie man ,Londoner‘ wird.

Doppeldeckerbus in East London

„Sun is in the sky oh why oh why would I wanna be anywhere else…“ (Lilly Allen – LDN)

Regel Nr. 1: Ein „typisches“ London existiert nicht …

Ich glaubte nie an Liebe auf den ersten Blick, bis meine Augen aus dem Flugzeugfenster ihre Backsteinhäuserfassaden und verglasten Giganten streiften, schließlich die Themse mit ihren vielen Brücken… schon mit sieben Jahren zog mich diese Stadt magisch an, mittlerweile war ich schon etliche Male zu Besuch und lebte sogar ein Jahr lang hier: London! Ähnlich wie bei anderen internationalen Metropolen fällt es schwer, die Hauptstadt Großbritanniens auf einen Nenner zu bringen, keine andere Stadt ist so britisch und gleichzeitig ,unbritisch‘ wie London. Wahrscheinlich ist es diese Mischung aus multikultureller Vielfalt, urbaner Dynamik und Traditionsbewusstsein, die mich immer noch fasziniert und mit Fernweh erfüllt.

Tower Bridge und Financial District in London

… aber ein London abseits des Massentourismus: Das East End

Mich persönlich zog es, nicht nur weil ich dort wohnte, immer wieder in den Nordosten Londons. Während die westliche Gegend um Notting Hill gerne als „posh“ bezeichnet wird, das Zentrum und der Süden zahlreiche touristische Attraktionen bieten, gelten der Norden rund um Camden und vor allem das ,East End‚, begrenzt durch die „boroughs“ bzw. Bezirke Tower Hamlets und Hackney, als Mittelpunkt der Studenten-, Kunst- und Musikszene.

Die außergewöhnlichen Fassaden der Shops in Camden Town, London

Banksy Graffiti in Camden und East London

Neben den deutlich günstigeren Preisen erweckt die lebhafte Atmosphäre mit Street Art, manche von Großmeister Banksy, Märkten und Restaurants mit Genüssen aus aller Welt, kleinen Gallerien, Second Hand- und Designerboutiquen den Eindruck eines separaten ,global village‘. Wie schaut ein typischer Tag in dieser Gegend aus? Die Antwort lautet: so etwas existiert nicht, London ist immer für eine Überraschung gut. Allein ein Blick in die Time-Out, das wöchentliche Pflicht-Magazin und Eventguide für jeden Londoner sowie Touristen, verrät, welche unendlichen Möglichkeiten jeder Tag hier bietet.

Columbia Road Flower Market in London

Windowshopping im Osten Londons

Als Studentin mit viel Freizeit startete ich meinen Vormittag gerne in einem lokalen Café, etwa entlang der entzückenden Columbia Road, in der Sonntags der Flower Market ein Fest für die Augen und Nasen bereitet. Auch der nahe gelegene Broadway Market bezaubert mit seinen individuell gestalteten Lokalen, eine Mischung aus Vorstadt-Idylle und Hipster-Chic. Wer es zum Frühstück gerne deftig und traditionell englisch hat, bestellt am besten ein „Full English Breakfast“.

Street Art und Shopping rund um die Londoner Brick Lane

Weiter geht’s zu Fuß, eine der bekannteren Gassen ist die Brick Lane, die sich von Bethnal Green Road bis Spitalfields zieht. Die namensgebenden Ziegelbauten beherbergen zahlreiche Shops und Lokale, als Vintage-Liebhaberin bekam ich hier regelmäßig große Augen und volle Einkaufstaschen. Ein wahres Second Hand- und Designparadies stellt etwa Beyond Retro dar, das neben exklusiven Kleidern, Schuhen und Accessoires von den 1920ern bis heute auch selbstgeschneiderte Trends (zu sehr erschwinglichen Preisen) anbietet. Gleich in der Nähe befindet sich Absolute Vintage, das neben Bekleidung vor allem Schuhe und Taschen jeglicher Art und Größe bereithält.


Shopping like there’s no tomorrow:


Event vor dem Rough Trade East Store in London

Franz Ferdinand In-Store-Gig @ Rough Trade East

Wer, wie ich, an Musik- und Printmedien abseits kommerzieller Megastores interessiert ist und auch gerne zwischen Schallplatten stöbert, ist im Rough Trade Store gut aufgehoben. Nach dem Konzept ,von Musikliebhabern für Musikliebhaber‘ ist man hier in jedem Musikgenre gut beraten, neben Fachmagazinen und -büchern liegen zahlreiche kostenlose Magazine und Programme auf. Ein Highlight sind die legendären In-Store-Gigs, die kostenlos sind – da kann es schon sein, dass man spontan eine von 50 Personen ist, die Franz Ferdinand hautnah erleben.

Von all dem Shopping und Gehen hungrig geworden, braucht man nur einen Schritt heraustreten und befindet sich im Innenhof der Old Truman Brewery, in dem Touristen neben ,Locals‘ zu Mittag und Abend essen. Das Café 1001 serviert die besten Burger der Stadt, zu späterer Stunde werden daneben im 93 Feet East die Kalorien wieder weggetanzt. Die hohe Anzahl an indischen und bengalischen Einwohnern in dieser Gegend hat ihr den Spitznamen „curry capital“ eingebracht, wer also Lust auf authentische orientalische Geschmäcker hat, wird hier mehr als fündig.

British Brunch im East End


Tipp: Brunch & Lunch im East End


Den Höhepunkt der Woche bildet der sonntägliche Sunday Up Market. Zahlreiche Besucher tummeln sich hier wöchentlich zwischen Marktständen mit Designer-Einzelstücken, ausgefallenem Schmuck, selbstbedruckten T-Shirts, Kunsthandwerk und allem, was man sich an internationaler Küche wünschen kann – von tibetanischen „Momos“ bis zu Äthiopischem Eintopf.

How to become a Londoner

Wird einem vor lauter Konsum und Kultur schon ganz schwindelig, kann man einen der zahlreichen Parks der Metropole aufsuchen. Meine Freunde und ich setzten uns zum Wochenend-Picknick oder The Guardian-Lesen gerne in den Victoria Park oder London Fields in Hackney. „Park Life“ wird für alle Generationen ganz groß geschrieben, kaum fallen die ersten Sonnenstrahlen auf die Haut, entledigen sich selbst Geschäftsmänner ihrer Hemden, um sich in der Mittagspause zu sonnen. Auch Barbecues sind im Sommer sehr beliebt und in Parks erlaubt.

London Fields

Entgegen zahlreicher Klischees sind die Briten meiner Erfahrung nach keineswegs ein humorloses oder strenges Volk, vielmehr habe ich sie als sehr offene, vor allem geduldige Menschen erlebt. Das liegt wohl erstens an der hohen Anzahl von Immigranten, die jährlich aus dem In- und Ausland in die Hauptstadt strömen und zweitens pflegen auch Londoner die englische Pub-Kultur oft und gerne, praktisch an jeder Ecke treffen sich hier Jung und Alt auf ein Ale oder Cider.

Typisches Britisches Pub in London

Picknick mit dem Nationalgetränk PIMM'S

Drittens müssen London-Besucher und Bewohner vor allem eins erdulden: Queueing. Das Anstellen oder In-der-Schlange-stehen ist hier quasi Nationalsport – ob vor der U-Bahnstation, einem ausverkauften Konzert oder an der Kassa – man bleibt stets höflich, geduldig und tratscht auch gerne mit dem Steh-Nachbarn. Keine Spur von Großstadthektik? Natürlich ist diese nicht zu vermeiden, dennoch habe ich hoffentlich ein wenig von dieser englischen Ruhe wieder nach Hause mitgenommen.

Tube-Queue nach einem Festival

Ich könnte wahrscheinlich einen dicken Reiseführer mit London-Empfehlungen füllen, denn ein Jahr in dieser Stadt fühlt sich an wie mindestens zehn Jahre an anderen Orten. Man wird mitgerissen von ihrer Energie und Vielfalt – und wird einmal alles zu viel, kann man sich ja einen Earl Grey Tee mit Scone gönnen, wir sind schließlich in England.

Im nächsten Teil des London Insider Guides: Kulinarisches & Kultur.

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