London Insider Guide: Kulinarisches & Kultur

Der Insider Streifzug durch die Hauptstadt Englands geht weiter – Teil 2: Roast Beef & Shakespeare. Highlights und Geheimtipps im (touristischen) Zentrum Londons.

Blick vom Tate Modern Museum auf die Themse und St. Paul's Cathedral, London

Wie wir schon im ersten Teil meines Blogs herausgefunden haben: EIN London existiert nicht, vielmehr bilden die ,boroughs‘ in Großbritanniens Hauptstadt eigene Dörfchen mit individuellem Charakter. Natürlich dreht sich bei einem Erstbesuch alles um das Zentrum mit den Sehenswürdigkeiten Big Ben, London Bridge, Tower of London etc. Aber auch die City mit ihren historischen Bauwerken und Bürogebäuden offenbart auf den zweiten oder dritten Blick so ihre Überraschungen…

Borough Market: Ein Paradies für Augen und Geschmacksknospen

Starten wir am besten chronologisch: Nachdem im letzten Artikel schon ein paar Frühstücks- sowie Brunchorte besprochen wurden, begeben wir uns zum Lunch mitten in das touristische Herz der Stadt. In der Nähe der London Bridge erstreckt sich das Areal des Borough Markets, dessen verglaste Art Deco-Markthalle viktorianische und moderne Elemente in Harmonie vereint. Seit dem 13. Jahrhundert wurden hier bereits Früchte und Obst verkauft, mittlerweile hat sich der Markt als eine der größten und vielfältigsten Anlaufstellen für Gourmets, Profi- und Amateurköche, lokale und internationale Gäste etabliert.

Borough Market in London

Heidi Pie von Pieminister, Borough Market

Neben einer Auslese an Bio-Lebensmitteln und liebevoll präsentierten Produkten in bester Greißler-Manier wird der hungrige Stadtwanderer an zahlreichen Food Stalls mit warmer und kalter Küche fündig. Vom vegetarischen Burger mit Halloumi und Koriander bis zu prämierten Pie-Kreationen bleiben hier keine Geschmackswünsche offen – ganz nebenbei diniert man in einer einmaligen, sympathischen Atmosphäre, die trotz der zahlreichen Kundschaft niemals touristisch überlaufen wirkt.

Dim Sum und Regenbogenfahnen: Soho

Apropos touristisch: Kaum ein London-Besucher wird wohl daran vorbeikommen, nicht zumindest zufällig (zwischen Musical-Besuch und Shopping) in Soho zu landen, einem der buntesten Viertel der Stadt. Sicherlich wimmelt es hier nur so vor Backpackern oder Individuen mit Shorts, Sandalen und weißen Socken. Dennoch ist diese Gegend definitiv einen Besuch wert, allein aufgrund ihrer Verschiedenheit. Einerseits ist Soho bekannt als Zentrum der Londoner LGBT-Szene (Lesbian Gay Bisexual Transgender) sowie als Hang-out für Musiker,  Medien-Leute und den einen oder anderen Promi (hallo Kate Moss, Jude Law).

Soho Street Art

Bunte Lampions in London's Chinatown

Ein paar Schritte in die andere Richtung lauert hinter bunten Lampions und Pagoden-Architektur eine andere Welt: Chinatown. Wer Billigwarenshops und chinesische Restaurants mit Glutamat-Garantie erwartet, hat nicht vollkommen unrecht – neben einer winkenden Katze wurde mir in einem Lokal auch ein „Spezialgetränk“ verkauft, das sich als erwärmte Cola herausstellte. Wer sich jedoch im Vorhinein informiert, findet hier authentische Küche aus beinahe allen Regionen Chinas, das Restaurant Ba Shan etwa serviert südchinesische Gerichte fernab von Gebratenen Nudeln und Acht Schätze, noch dazu geht es hier nicht so hektisch zu wie in vielen Nachbarslokalen.

Überall gilt: Vorher über den Schärfe-Grad informieren (Maßstab europäischer Gaumen)!

Aus der Hunan Küche: Grüne Bohnen mit Rind und typisch chinesische Red Bean Cakes

Kitsch-Geschäfte mit allerlei Anime-Produkten, aber ebenso importierten Speziallebensmitteln (Ingwer-Kaugummi!) sind einen Besuch wert, für den schnellen Snack und ein visuelles Erlebnis empfehle ich, einen der vielen Bake und Cake Shops zu besuchen, die neben Red Bean-, Kokos- und Sesamkuchen etc. auch aufwendig dekorierte Festtorten verkaufen.

Very British, very adventurous: Pub-Kultur und Dinner-Experience

Was bei keinem England-Trip fehlen darf: Sunday Roast. Die britische Küche ist ja bekanntlich weder für ihre Vielfalt (Fish and Chips, Pie, …) noch Raffinesse (Sausage, Beans & Toast) berühmt. Ein sonntäglicher Trip ins nächste Pub, um einen Teller Roast Beef, Kartoffelpüree und Yorkshire Pudding mit gaanz viel Gravy (Bratensauce) zu genießen, lohnt sich aber allemal. Zum Beispiel im überaus schönen East London Pub The Water Poet mit Gastgarten und Barbecue.

Typisch britisches Sunday Roast Dinner

Im britischen Pub wird das Bier mit wenig Schaum, dafür bis ganz zum Rand eingeschenkt

Die meisten der beschriebenen Restaurants und Lokale sind auch Abends geöffnet, wer mehr als nur essen möchte, sollte eine der vielen „Dinner-Experiences“ der Stadt ausprobieren – von Zirkusakrobaten, die sich zwischen den Tischen bewegen, bis zu Speakeasy-Salons (der neueste Trend: VIP-Dinner wie in den Zwanzigerjahren) wird dem kulinarischen Abenteurer einiges geboten – meist gegen einen gewissen Aufpreis, versteht sich. Etwas gemütlicher geht es etwa im Roxy Bar and Screen zu, wo man an Dinner-Tischen vor einer Kinoleinwand speist.

Burlesque Bühnenshow


Lunch & Dinner einmal anders:


Kunst und Kultur: Die Qual der Wahl

Gestärkt und leicht erschöpft wird es Zeit für ruhigere Aktivitäten, etwa den Besuch einer Ausstellung. Ein weiterer Aspekt, den ich an London Liebe: ein unglaublich umfangreiches, wechselndes Kulturangebot, das noch dazu großteils kostenlos oder sehr günstig ist. Meine Favoriten wie das Victoria & Albert Museum oder das Tate Modern verlangen allein aufgrund ihrer Dimensionen mehrstündige Einzelbesuche.

Tate Modern und Millennium Bridge an der Themse in London, Großbritannien

Kunstinstallation in der EIngangshalle des Tate Modern, London

Entspannter geht es in kleineren Galerien zu, wie der Serpentine Gallery mitten in den königlichen Kensington Gardens oder der Photographer’s Gallery, die sich in Soho versteckt.

Auch die darstellenden Künste sind in der Hauptstadt mehr als genug vertreten, London’s ,Broadway‘ heißt The Strand und befindet sich im westlichen Zentrum. Neben weltberühmten Musicals werden in den teilweise prunkvollen Theaterhäusern Stücke mit prominenter (Hollywood-)Besetzung gespielt.

Tipp: Vergünstigte Tickets bekommt man bei den Verkaufsständen am Leicester Square, Spontane kommen am besten zwei Stunden vor Spielbeginn zur Box Office des jeweiligen Theaters.

London's Theaterviertel im West End, Shaftesbury Avenue

Ein ganz besonderes Erlebnis stellt ein Besuch des Globe Theatre am Südufer der Themse dar. Das Freilufttheater wurde nach den Plänen des historischen Globes, in dem William Shakespeare’s Stücke zu seinen Lebzeiten aufgeführt wurden, rekonstruiert und vermittelt den Eindruck einer Aufführung im elisabethanischen Zeitalter. Ganz so wild wie damals geht es heute zwar nicht mehr zu und mittlerweile dürfen auf Frauen auf der Bühne stehen – die Interaktion mit den Zuschauern, die im Innenhof vor der Bühne oder auf den Balkonen stehen, wird aber immer noch ganz groß geschrieben.

Shakespeare's Globe Theatre in London

Theateraufführung in Shakespeare's Globe Theatre, London


London Kultur Tipps:


Wer nach einem Tag voller kultureller Eindrücke und kulinarischer Genüsse noch Energie hat, sollte sich ein gepflegtes Bier im nächsten Pub gönnen oder zu einem der vielen kostenlosen Musikkonzerte gehen – aber dazu mehr im letzten Teil des Insider-Guides…

Teil 3 – London Nightlife & Konzerte

Teil 1: Das „wahre“ London? Das East End & wie man ,Londoner‘ wird

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.